Die Borgward-Chronik mit Hansa-Lloyd ab 1931, Goliath und Lloyd

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Von Christoph Büch und Steve St.Schmidt (2026)

Borgward nach 1945

Trotz gravierender Kriegsschäden gelang 1945/46 die Wiederaufnahme der Produktion. Die Trümmer wurden beseitigt und die Fabrikanlagen wieder aufgebaut, sodass schon bald eine Serienfertigung zunächst für dringend benötigte Lastkraftwagen aufgenommen werden konntet. Das Werk Osterholz-Scharmbeck steuerte wieder Karosserien und Aufbauten bei, sodass innerhalb weniger Jahre wieder ein engmaschiges Standortnetz entstand.

Mit dem Dreitonner B 3000 S begann die Nachkriegsproduktion, an der zunächst 400 Mitarbeiter beteiligt waren. Unter der Aufsicht des von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzten Treuhänders Wilhelm Schindelhauer montierte man zunächst aus Ersatzteilen des nur wenig beschädigten Teilelagers im Werk Sebaldsbrück erste Fahrzeuge. Neuteile lieferte das Werk Bremen-Neustadt, während Achsen, Getriebe und Motoren aus Delmenhorst und Ottersberg kamen. Mit dem Typ BO 3000 wurden auch 102 Exemplare mit abgesenktem Rahmen als Basis für Busaufbauten produziert.

Der Dreitonner B 3000 S war das erste Nutzfahrzeug von Borgward nach dem Krieg. Das Modell entsprach dem Baumuster von 1942 und konnte bereits 1945 wieder produziert werden – vor allem mithilfe noch vorhandener Teile. 
Diese Aufnahme eines weiteren B 3000 aus dem Jahr 1949 zeigt die Veränderungen an der Kühlermaske. Man spendierte ihr kleine Chromleisten, wodurch sich der Nachkriegs-Dreitausender vom Kriegsmodell unterschied.
Ein Blick auf Motor und Vorderachse des Borgward B 3000 S, wie er von 1945 bis 1950 produziert wurde

Ende 1947 lief auch der Bau von Elektrofahrzeugen mit dem Dreitonner BE 3000 und dem Elektrokarren EK 1,5 (1,5 Tonnen Nutzlast) wieder an. Auch hierfür war eine Genehmigung der amerikanischen Behörden nötig. Ab 1950 kamen die Lloyd-Elektrolastwagen EL 1500 und EL 2500 hinzu. Bei all diesen Modellen beschränkte die Batteriekapazität die Reichweite auf 50 bis 70 Kilometer – ausreichend für viele Transportaufgaben im Nahverkehr. Der EL 2500 ging bis 1955 in größeren Stückzahlen an die Deutsche Bundespost. Ein Elektro-Omnibus fand dagegen wenig Absatz.

Der Elektrotransporter EL 2500 mit zweieinhalb Tonnen Nutzlast wurde zunächst unter dem Namen Borgward auf den Markt gebracht, ab 1951 lief er dann unter dem Namen Lloyd vom Band. Hauptabnehmer des EL 2500 war die deutsche Post. Die Karosserie wurde vor allem von NWF (Nordwestdeutscher Fahrzeugbau) in Wilhelmshaven hergestellt, aber auch andere Aufbauhersteller wie Gaubschat in Berlin erhielten den Auftrag zum Bau des Transporters nach genauen Vorgaben der Post.

Ab Dezember 1947 gab es mit dem B 1000 wieder den Borgward-Eintonner, der von einem 1,4 Liter großen Benzinmotor mit 33 PS angetrieben wurde. Am 20. Juni 1948, dem Tag der Währungsreform, hatte man bereits 2.700 Borgward-Lkw produziert. Carl F. W. Borgward selbst war nach dem Krieg zunächst wegen seiner Beteiligung an der Herstellung von Kriegsmaterial interniert worden, durfte sein Werk aber im Zuge alliierter Rüstungsprogramme des einsetzenden Kalten Kriegs nach drei Jahren, am 13. Juli 1948, wieder übernehmen. Um größere Rohstoffzuteilungen zu erhalten, reaktivierte er 1949 die Goliath GmbH für leichte Transporter, gründete die Lloyd Maschinenfabrik (ab 1951 Lloyd Motorenwerke) zur Kleinwagenproduktion und Teilefertigung und wandelte die Borgward-Werke in die „Automobil- und Motorenwerke Carl F. W. Borgward GmbH“ um. Bereits am 5. August 1949 lief der zehntausendste Borgward-Nachkriegs-Lkw vom Band.

Von 1947 bis 1949 wurde auch der B 1000 wieder vom Band. Der kleine Lieferwagen mit einer Tonne Nutzlast war schon von 1938 bis 1943 bei Borgward produziert worden. Das Foto vom September 1948 zeigt das tausendste Exemplar des B 1000 nach dem Krieg, bei dem die Kühlermaske noch keine Querstreben aufwies und die Hinterachse einfach bereift war.. 
Die seitliche Klappe am von Stolle in Hannover hergestellten Aufbau des B 1000, die sich nach unten öffnen ließ und vermutlich als Tisch diente, lässt darauf schließen, dass die 1903 gegründete Fleischerei Herrmann Gothe aus Hannover den Wagen als Verkaufsstand nutzte, um etwa auf Märkten ihre Waren anzubieten. Außerdem ist zu erkennen, dass die Kühlermaske der letzten Exemplare des B 1000 mit verchromten Querstreben versehen wurde, bevor er 1949 durch den B 1250 ersetzt wurde. Leider nicht zu sehen ist die inzwischen doppelt bereifte Hinterachse.
Im Jahr 1949 löste der B 1250 den B 1000 ab. Seitlich an der Kühlerhaube des 1,25-Tonners befanden sich nun die drei waagerechten Chromleisten, die in den kommenden zwölf Jahren alle Borgward-Haubenwagen schmücken sollten – mit Ausnahme des B 1500 ab 1954 und der Militärversionen.