Die Borgward-Chronik mit Hansa-Lloyd ab 1931, Goliath und Lloyd

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Von Christoph Büch und Steve St.Schmidt (2026)

Lloyd in den 1950er Jahren

Im Februar 1949 gründete Carl F. W. Borgward die Lloyd Maschinenfabrik GmbH, die kurz darauf auf dem Gelände der Goliath-Werke in Bremen-Hastedt den Betrieb aufnahm. Das Stammkapital von 100.000 DM brachte Borgward zur Hälfte selbst auf, beim Rest halfen seine Ehefrau und ein befreundeter Ingenieur. Das junge Unternehmen produzierte zunächst Elektrofahrzeuge des Typs EL 3000 auf Basis des Borgward B 3000 aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Abnehmer war die britische Besatzungsmacht. Da Borgward einen drei Jahre gültigen Wartungsvertrag zu einem Pauschalbetrag mit den Briten abgeschlossen hatte und an den Fahrzeugen kaum Reparaturen anfielen, warf das Geschäft gute Gewinne ab.

Zunächst sollen die Lloyd-Elektrofahrzeuge der Nachkriegszeit vorgestellt werden, angefangen mit dem Typ EL 3000. Er wurde bis zur Gründung der Lloyd Maschinenfabrik GmbH durch Carl F. W. Borgward im Februar 1949 als Borgward-Elektrowagen BE 3000 angeboten. Die auf dem B 3000 mit Verbrennungsmotor basierende Version als Elektrofahrzeug war ein zuverlässiger Lkw, der besonders von Brauereien bevorzugt wurde. Mit einem Aktionsradius von etwa 70 Kilometern bei vollgeladenen Batterien stellte der Lloyd EL 3000 ein ideales Nahverkehrs-Lieferfahrzeug dar.
Ein Blick auf das Fahrgestell des EL 3000 zeigt das vorne untergebrachte Antriebsaggregat. Die schweren Batterien fanden in der Fahrzeugmitte in zwei Behältern Platz, die rechts und links am Fahrgestell befestigt, für eine gleichmäßige Gewichtsverteilung sorgten.
Ein Lloyd El 3000, der für die 1814 in Nürnberg gegründete Lederer-Brauerei unterwegs war. Die Brauerei wurde in den 1990er Jahren aufgegeben, doch die Lederer-Biere werden von der Tucher-Brauerei bis heute regional weiterproduziert.
Der 17-Meter-Drehleiter-Aufbau dieses Lloyd EL 3000 stammte von der um 1830 gegründeten Feuerwehrgerätefabrik der Gebrüder Bachert in Bad Friedrichshall-Kochendorf, die 1987 in Konkurs ging. Das abgebildete Fahrzeug wurde von den Bremer Stadtwerken eingesetzt, um Reparaturen an der öffentlichen Beleuchtung für das Elektrizitätswerk durchzuführen. Das Foto ist mit 1952 datiert.
Borgward warb 1950 für sein Unternehmen, die Lloyd Maschinenfabrik GmbH, mit 45 Jahren Erfahrung im Bau von Elektrofahrzeugen. Dabei bezog man sich auf die Produkte von Hansa-Lloyd, wo tatsächlich seit der Gründung im Jahr 1914 auf Elektrofahrzeuge gesetzt wurde. Doch bereits 1908 hatte man bei der NAMAG mit dem Bau von Elektrofahrzeugen begonnen (die NAMAG fusionierte 1914 mit Hansa und es entstand Hansa-Lloyd). Der Werbespruch von 1950 hatte also einen gewissen Wahrheitsgehalt
Lloyd produzierte auch verschiedene Elektrokarren, die auf Bahnhöfen, Flugplätzen und in innerbetrieblichen Bereichen zum Einsatz kamen. Auf dem Bild ist der EK 1500 zu sehen, der von 1948 bis 1952 zunächst von Borgward selbst und anschließend als Lloyd vermarktet wurde. Für das Foto hat man einige Abdeckungen entfernt, um die Technik sichtbar zu machen.
Den Lloyd EL 2500 haben wir in dieser Borgward-Chronik bereits auf Seite 5 (Borgward nach 1945) vorgestellt. Hier gibt es ein weiteres Foto eines Paketwagens vom Typ EL 2500 mit einer leicht abgewandelten Vorderfront. Dies liegt vermutlich am Aufbauhersteller, denn obwohl die Post genaue Vorgaben für den Bau dieser Fahrzeuge hatte, gab es doch kleine Unterschiede. Denn neben dem Hauptlieferanten Nordwestdeutscher Fahrzeugbau (NWF) wurden auch andere Firmen mit dem Bau dieser Postautos beauftragt.

Im Mai 1950 erschien der Kleinwagen LP 300 mit der traditionsreichen Bezeichnung Lloyd. Seine Karosserie bestand wegen der damals herrschenden Materialknappheit aus einem Holzgerippe mit Sperrholzbeplankung und einem Kunststoffüberzug. Deshalb kam schnell der Spitzname „Leukoplastbomber“ auf. Etwas boshafter war der Spruch „Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd.“ Ein Zweitakter-Zweizylindermotor mit 300 Kubikzentimetern Hubraum und 10 PS trieb das kleine Auto mit Frontantrieb an. Es gab auch Varianten als Kombi und Lieferwagen.

Wir kommen zu den bekannteren Nutzfahrzeugen von Lloyd und beginnen mit dem LK 300 Kastenwagen von 1950, der zwei Jahre lang produziert wurde. Der kleine Lieferwagen mit einer Nutzlast von 0,3 Tonnen hatte eine Holzkarosserie, die mit Kunstleder überzogen war. Das brachte ihm den Spitznamen „Leukoplastbomber” ein. Die Witze, die über ihn gemacht wurden, schadeten seiner Beliebtheit nicht, denn der Lloyd 300 mit seinem 10-PS-Motor fand sowohl als Pkw als auch als Lieferwagen regen Absatz. Das Nachfolgemodell, der Lloyd LK 400 von 1953, hatte einen Zweitakter mit 13 PS Leistung. 1957 wurde die Baureihe aus dem Programm genommen.
Eine Seite aus einem Lloyd-Prospekt von 1950, der den LK 300 bewarb
Der Lloyd 600 von 1955 kann als Nachfolgemodell des von 1953 bis 1957 angebotenen LK 400 angesehen werden. Seine Karosserie bestand von Anfang an aus Stahlblech und er war mit einem 19 PS starken Viertaktmotor mit 600 Kubikzentimetern Hubraum ausgerüstet, der ihm eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern einbrachte. Die Version als Lieferwagen war relativ selten, als Pkw verkaufte er sich jedoch gut, bis der Zusammenbruch des Borgward-Konzerns im Jahr 1961 auch das Ende der Lloyd-Produktion besiegelte.

Anfang 1951 wurde das Unternehmen in Lloyd Motorenwerke GmbH umbenannt. Kurz darauf zog es in ein neues Werk auf einem 200.000 Quadratmeter großen Gelände in Bremen-Neustadt um. Bis 1960 wuchsen die Fabrikanlagen dort stetig an.

Im Lauf der Jahre folgten weitere Pkw. Ende 1952 stellte Lloyd mit dem LTK 500 einen Kastenwagen für das Kleingewerbe vor. Er hatte eine halbe Tonne Nutzlast und zunächst die für Lloyd typische Sperrholzkarosserie. Auch als sechssitziger Kleinbus (LT 500/6) war er erhältlich. 1953 kam der LT 500 Pick-up hinzu. Nach der Umstellung des Zweitaktmotors auf einen Viertakter im September 1955 nannte sich der Wagen LT 600. Ab Ende 1956 gab es den Kastenwagen und den Kleinbus auch mit dem um fünfzig Zentimeter verlängerten Fahrgestell des Pick-up. Der LT 600/6 wurde in der langen Ausführung auch in die USA exportiert, wo er vor allem als Camper in beachtlichen Stückzahlen zum Einsatz kam.

Eine Prospektseite von 1953, die für den LT 500 warb
Auch beim LT 500 bestand die Karosserie 1952 anfänglich aus mit Plastik überzogenem Holz. Ab 1954 wurde das Auto nach und nach zu einem Fahrzeug aus Metall weiterentwickelt: Zunächst wurden die Seitenteile, dann die Motorhaube und 1957 schließlich das Dach aus Stahlblech gefertigt. Der zunächst mit einem 13-PS-Zweitakter untermotorisierte LT 500 erhielt 1955 einen stärkeren Motor mit 19 PS und nannte sich nun LT 600. Das Foto von 1957 zeigt die letzte Version, die bis 1961 im Angebot blieb.