Die Borgward-Chronik mit Hansa-Lloyd ab 1931, Goliath und Lloyd
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Von Christoph Büch und Steve St.Schmidt (2026)
Lloyd in den 1950er Jahren
Im Februar 1949 gründete Carl F. W. Borgward die Lloyd Maschinenfabrik GmbH, die kurz darauf auf dem Gelände der Goliath-Werke in Bremen-Hastedt den Betrieb aufnahm. Das Stammkapital von 100.000 DM brachte Borgward zur Hälfte selbst auf, beim Rest halfen seine Ehefrau und ein befreundeter Ingenieur. Das junge Unternehmen produzierte zunächst Elektrofahrzeuge des Typs EL 3000 auf Basis des Borgward B 3000 aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Abnehmer war die britische Besatzungsmacht. Da Borgward einen drei Jahre gültigen Wartungsvertrag zu einem Pauschalbetrag mit den Briten abgeschlossen hatte und an den Fahrzeugen kaum Reparaturen anfielen, warf das Geschäft gute Gewinne ab.







Im Mai 1950 erschien der Kleinwagen LP 300 mit der traditionsreichen Bezeichnung Lloyd. Seine Karosserie bestand wegen der damals herrschenden Materialknappheit aus einem Holzgerippe mit Sperrholzbeplankung und einem Kunststoffüberzug. Deshalb kam schnell der Spitzname „Leukoplastbomber“ auf. Etwas boshafter war der Spruch „Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd.“ Ein Zweitakter-Zweizylindermotor mit 300 Kubikzentimetern Hubraum und 10 PS trieb das kleine Auto mit Frontantrieb an. Es gab auch Varianten als Kombi und Lieferwagen.



Anfang 1951 wurde das Unternehmen in Lloyd Motorenwerke GmbH umbenannt. Kurz darauf zog es in ein neues Werk auf einem 200.000 Quadratmeter großen Gelände in Bremen-Neustadt um. Bis 1960 wuchsen die Fabrikanlagen dort stetig an.
Im Lauf der Jahre folgten weitere Pkw. Ende 1952 stellte Lloyd mit dem LTK 500 einen Kastenwagen für das Kleingewerbe vor. Er hatte eine halbe Tonne Nutzlast und zunächst die für Lloyd typische Sperrholzkarosserie. Auch als sechssitziger Kleinbus (LT 500/6) war er erhältlich. 1953 kam der LT 500 Pick-up hinzu. Nach der Umstellung des Zweitaktmotors auf einen Viertakter im September 1955 nannte sich der Wagen LT 600. Ab Ende 1956 gab es den Kastenwagen und den Kleinbus auch mit dem um fünfzig Zentimeter verlängerten Fahrgestell des Pick-up. Der LT 600/6 wurde in der langen Ausführung auch in die USA exportiert, wo er vor allem als Camper in beachtlichen Stückzahlen zum Einsatz kam.

