Die Borgward-Chronik mit Hansa-Lloyd ab 1931, Goliath und Lloyd
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Von Christoph Büch und Steve St.Schmidt (2026)
Borgward in den späten 1950er Jahren
Der B 2000 diente auch als Basis für den B 2000 A/O (Lkw 0,75 t gl) in kantiger Militärausführung, der von 1955 bis 1961 als Kübelwagen und als Pritschenwagen mit 0,75 Tonnen Nutzlast gebaut wurde. Das Fahrzeug verfügte über erweiterte Getriebeuntersetzungen, zuschaltbaren Allradantrieb und spezielle Geländereifen, bot Platz für acht bis neun Mann samt Ausrüstung und war mit Planengestell, doppeltem Kraftstofffilter und 24-Volt-Bordnetz ausgestattet. Herzstück war ein Sechszylinder-Benzinmotor mit 2,4 Litern Hubraum und einer Leistung von 82 PS. Neben dem Bundesgrenzschutz entschieden sich auch zahlreiche Polizeidienststellen und das Technische Hilfswerk für den vielseitigen B 2000 A/O, wobei unterschiedliche Karosserieversionen Verwendung fanden. Einzelne Prototypen wurden zu amphibischen Transportern, Sand- und Schneefahrzeugen oder mobilen Funkzentralen umgebaut – am Variantenreichtum zeigte sich die Konzeption als universelles Basisfahrzeug. Rund 5700 Kübelwagen und einige hundert Pritschenwagen bezog die Bundeswehr zwischen 1955 und 1961 von Borgward. Von 1962 bis 1968 wurden noch etwa 165 dieser Fahrzeuge für den Bundesgrenzschutz von Büssing unverändert nachgebaut, aber mit dem eigenen Löwenemblem am Kühlergrill. Büssing hatte das ehemalige Borgward-Lkw-Werk in Osterholz-Scharmbeck übernommen (und verkaufte es 1969 an FAUN).
Der Borgward B 2000 diente auch als Basis für den B 2000 A/O (Lkw 0,75 t gl), der von 1955 bis 1961 in einer kantigen Militärausführung als Kübel- und Pritschenwagen mit einer Nutzlast von 0,75 Tonnen produziert wurde. Das Foto von 1984 stammt von Sigmar Koeke aus Berlin.Borgward B 2000 A/O mit Spezialaufbau für die Mobil Oil AG, der als Registrierwagen mit fest eingebauter Apparatur zur Aufnahme seismischer Wellen genutzt wurde. Der Hersteller war die 1879 als Hofwagenfabrik in Bückeburg (Niedersachsen) gegründete Fahrzeug- und Karosseriefabrik Hermann Harmening KG. In den 1950er Jahren stellte Harmening vorwiegend Omnibus-Aufbauten her. 1958 übernahm FAKA die Produktionsstätten.Der militärische Allrad-Pritschenwagen "Lkw 1,5 t gl" mit 3,4 Metern Radstand wurde 1959 nur in 14 Exemplaren gebaut.
1954 erschien außerdem der Typ B 2500 (ab 1959 hieß er B 522). Äußerlich vom B 2000 kaum zu unterscheiden, konnte er doch mit einigen Verbesserungen aufwarten. So hatte er einen hydraulischen Druckspeicher für die Öldruckbremsen, größere Räder und optional ein Fünfganggetriebe. Im Jahr 1960 erhielt der B 2500 ein höheres Dach. Es gab es auch eine Variante mit zuschaltbarem Allradantrieb, den B 2500 A. Er war vor allem für die Deutsche Bundeswehr gedacht sowie für Katastrophenschutz, Feuerwehr und kommunale Einsätze. Von 1959 bis 1961 war vom B 522 A auch eine Ausführung mit dem kantigen Militärfahrerhaus erhältlich.
Als Nachfolger des B 2000 brachte Borgward 1954 den B 2500 auf den Markt. Optisch unterschied er sich kaum vom Vorgänger, konnte aber mit einem hydraulischen Druckspeicher für die Öldruckbremsen, größeren Rädern und einem optionalen Fünfganggetriebe punkten. Im Jahr 1960 erhielt er ein höheres Dach.B 2500 mit Möbelwagen-Aufbau von Ackermann aus Wuppertal. Die Firma Friedrich Bauer aus Calw, ehemals „Königlich Württembergischer Güterbeförderer“, ist noch heute als familiengeführtes Speditionsunternehmen aktiv und kann auf eine 175-jährige Firmengeschichte zurückblicken.Den Typ B 2500 gab es auch als Allradversion, die zunächst B 2500 A hieß und 1959 in B 522 A umbenannt wurde. Das Bild zeigt einen Allrad-Borgward dieser Typenreihe mit einem Spezialaufbau als umklappbarer Erdölbohrturm.Borgward B 2500 A in Militär-Ausführung. Von 1959 bis 1961 gab es den B 2500 A auch mit dem kantigen Militär-Fahrerhaus, dann allerdings als B 522 A.Der Hersteller dieses Feuerwehr-Aufbaus als Tanklöschgruppenfahrzeug (TLF 8) auf Basis des Borgward B 2500 A war die Niedersächsische Waggonfabrik Joseph Graaff aus Elze bei Hannover. Das 1914 als Reparaturwerkstatt gegründete Unternehmen baute vor dem Zweiten Weltkrieg Omnibusse und Straßenbahnwagen, nach dem Krieg Güterwaggons und Autotransporter. Seit 2008 gehört es zur VTG, einem in Hamburg ansässigen Spezialisten für die Vermietung und Logistik von Güterwaggons.Von 1956 bis 1959 gab es eine Frontlenker-Version des B 2500, die den Namen B 2500 F trug. Danach wurde sie in B 522 umbenannt. Borgward selbst hatte für diese Version keine eigene Karosserie im Angebot, sondern stellte entsprechende Fahrgestelle her, die von externen Aufbauherstellern karossiert wurden. Auf dem Foto ist ein von Thiele in Bremen gebauter Kastenwagen zu sehen.Auch dieser Frontlenker war ein von Thiele karossierter B 2500 F. Das Unternehmen wurde 1895 als Stellmacherei in Bremen gegründet und firmierte später unter dem Namen Karosserie- und Fahrzeugfabrik Wilhelm Thiele. 1953 übernahm Fritz Thiele, der Sohn des Firmengründers, das Unternehmen und baute Omnibusse, Spezialkarosserien und Feuerwehrfahrzeuge. Seit 1986 entstehen in Bremen unter dem Namen Thiele Spezial-Karosseriebau GmbH gepanzerte sowie verlängerte Limousinen und Sonderaufbauten für Polizei und Feuerwehr.Der Borgward B 2500 F war auch als Sattelschlepper-Chassis einsetzbar. Mit seinem 60-PS-Motor war dieser Sattelzug zwar etwas untermotorisiert, dafür bot das Fahrerhaus viel Platz und die Produkte der Sitzmöbelfabrik Stöss & Co. waren vergleichsweise leicht. Das Fahrerhaus und der einachsige Sattelauflieger stammten von Kässbohrer in Ulm.Das Borgward-Fahrgestell B 2500 F war auch für kleinere Omnibusse geeignet. Die Karosserie dieses Exemplars von 1956 stammte von der Norddeutschen Karosseriefabrik Conrad Pollmann GmbH in Bremen. Das 1926 gegründete Unternehmen baute zunächst Cabrios, Limousinen, Lkw-Aufbauten und Omnibusse, später vor allem Leichenwagen auf Ford- und Mercedes-Benz-Basis. Nach einer Insolvenz im Jahr 2008 wurde die Firma von der Rehda-Carosse Bremen GmbH übernommen.Die Aufnahme zeigt einen weiteren Bus auf Basis des Borgward B 2500 F, der von der 1946 gegründeten Ottenbacher Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH aus Schönau im Schwarzwald karossiert wurde. Das Unternehmen ist bekannt für Feuerwehrfahrzeuge, Kipper, Tankwagen und Sonderaufbauten auf Borgward-, Magirus- und Mercedes-Chassis in den 1950er und 60er Jahren und ist auch heute noch als Nutzfahrzeug-Spezialist aktiv.Als Dritter Bus auf B-2500-F-2-Fahrgestell ist ein sogenannter Clubbus zu. sehen, der 1957 von der Firma Walter Vetter Karosserie- und Fahrzeugbau mit Sitz in Fellbach bei Stuttgart karossiert wurde.
Der von 1953 bis 1961 produzierte B 4500 (ab 1959 hieß er B 555) war der schwerste Borgward-Lkw, der auch mit Allradantrieb mit bis zu 60 Prozent Steigfähigkeit im Angebot war (B 4500 A, ab 1959 B 555 A). Sein Sechszylinder mit fünf Litern Hubraum leistete zunächst 95 PS und erreichte 110 PS im Jahr 1957. Auch die letzte Ausführung des B 555 von 1960 hatte Blinker auf den vorderen Kotflügeln.
Das schwerste jemals unter dem Namen Borgward in Bremen entstandene Haubenwagen war der Viereinhalbtonner B 4500, der von 1953 bis 1959 gebaut wurde. Danach erhielt er die Bezeichnung B 555 und wurde bis 1961 produziert. Bis 1957 musste er sich mit dem 95-PS-Sechszylinder des B 4000 begnügen, dann spendierte man ihm ein neues 110-PS-Aggregat. Der Motor zeichnete sich vor allem durch seinen geringen Verbrauch aus: Er kam mit 14,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer aus.Ein interessanter Vorläufer der inzwischen überall gebräuchlichen Abrollmulden zeigt diese Aufnahme eines von Toussaint & Hess (Teha) karossierten Borgward B 4500 aus dem Jahr 1955. Das Düsseldorfer Unternehmen war in den 1950er und 60er Jahren auf hydraulische Hebezeuge spezialisiert, vor allem Kipper und Hebeanlagen für Lkw-Aufbauten.B 2500 als Sattelschlepper mit Einachs-Auflieger von KässbohrerDieser Borgward B 4500 zog einen speziellen Auflieger der Siegener Eisenbahnbedarf AG (SEAG) aus Dreis-Tiefenbach, der sein Schüttgut seitlich entladen konnte. Auf der Rückseite des Originalfotos von 1957 ist handschriftlich vermerkt, dass die Ladefläche des Aufliegers den Inhalt eines gesamten Eisenbahnwaggons fasst. Ob das stimmt, darf bezweifelt werden.Auf dem Weg zum Lkw-Veteranentreffen 2024 auf dem Autohof Wörnitz ist dieses Foto eines behutsam restaurierten Allrad-Bierwagens vom Typ B 4500 A entstanden.Ein weiterer Allrad-Lkw des Typs B 4500 A war mit einem Spezialaufbau von Failing als fahrbare Erdöl-Bohranlage ausgestattet. Über das US-amerikanische Unternehmen Failing konnten wir leider nichts herausfinden. Wer Informationen hat, möge sich bitte per E-Mail bei uns melden.Allrad-Feuerwehr aus dem Jahr 1955 mit Bachert-Aufbau als Tanklöschfahrzeug (TLF 16) auf einem Borgward-B-4500-A-Fahrgestell mit MannschaftsfahrerhausAb 1956 stellte Borgward auch Fahrgestelle für Frontlenker auf Basis des B 4500 her. Die Aufnahme zeigt einen Möbelwagen mit Ackermann-Aufbau aus Wuppertal.Die Sattelschlepper-Version des Borgward B 4500 F sah aus wie ein Großer, wenn das Fahrerhaus entsprechend geräumig konzipiert war, wie bei diesem von Bunge gebauten Exemplar. Das Bunge Fahrzeugwerk (C. H. Bunge KG) in Bremen-Mahndorf wurde 1896 von Christian Heinrich Bunge als Schmiede in Bremen-Hemelingen gegründet und befasste sich ab 1926 mit dem Bau von Anhängern sowie ab 1945 mit dem Bau von Spezialfahrzeugen. Nach der Übernahme durch die Gebr. Sommer GmbH (Bielefeld) im Jahr 1988 wurde das Bremer Werk im Jahr 2003 geschlossen.
Das Jahr 1957 markierte bei Borgward den Anfang der Frontlenker-Epoche. Neben den Haubenwagen hatte Borgward nun auch Fahrzeuge der modernen Art im Angebot, auch um den neuen deutschen Längenvorgaben für Lastwagen unter Minister Seebohm zu entsprechen. Auf der IAA in Frankfurt am Main wurde der 1500 F (ab 1959 hieß er B 611) mit 1,6 Tonnen Nutzlast vorgestellt. Angetrieben vom 60-PS-Motor des Pkw-Typs Isabella (alternativ vom bewährten 42-PS-Dieselmotor) und ausgestattet mit Einzelradaufhängung der unabhängig voneinander gefederten Vorderräder fuhr er sich wie ein Personenwagen, so die Werbung. Pritschenwagen, Kastenwagen und Kleinbusse waren im Angebot. Im Jahr 1959 erschienen die größere Varianten, der B 622 mit 70 PS und der B 655 mit 110 PS als 2,75-Tonner und als 5,5-Tonner. Vom kleineren B 611 unterschieden sie sich auf den ersten Blick durch die Anordnung der Scheinwerfer, die nun auf gleicher Höhe wie der Kühlergrill platziert waren. Der optisch sichtbare Unterschied zwischen dem B 622 und dem B 655 besteht in der Felgengröße: der kleinere B 622 hatte Sechs-Loch-Felgen, der größere B 655 Acht-Loch-Felgen. Beide gab es mit zwei verschiedenen Radständen, als Pritschenwagen, Kipper, Sattelschlepper und als Chassis für Aufbauten aller Art.
Bereits vor 1957, dem Jahr, in dem Borgward seine ersten und letzten Frontlenker auf den Markt brachte, gab es einige Versuche, kleine Lastwagen ohne Motorhaube zu bauen. Die Abbildung zeigt zwei dieser Kreationen aus der Mitte der 1950er Jahre. Sie entstanden vermutlich im Borgward-Werk, möglicherweise wurden sie aber auch bei Thiele karossiert.Im April 1957 war es dann soweit: Auf der 19. Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentierte Borgward den 1,5-Tonner als Frontlenker. Der B 1500 F wurde in der Fachwelt aufgrund seiner gelungenen Formgebung durchaus positiv beurteilt. Die Aufnahme entstand allerdings nicht auf der Messe, sondern zeigt ein Exemplar mit Kofferaufbau der Firma Staufen aus Wuppertal.Auch als kleiner Sattelschlepper war der B 1500 F geeignet.Dieses kleine Feuerwehrfahrzeug auf Basis des Borgward B 1500 F wurde von der Arve-Fahrzeugbau GmbH aus Springe bei Hannover karossiert, nachdem die Umbenennung in B 611 bereits erfolgt war. Das Foto, das ein Löschgruppen-Fahrzeug LF8/TS mit verdeckt eingebauter Vorbaupumpe zeigt, wurde 1960 aufgenommen.Der Borgward B 1500 F aus dem Jahr 1957, der ab 1959 als B 611 bezeichnet wurde, war auch als Kleinbus erhältlich. Die Aufnahme stammt aus einem Borgward-Werbeprospekt.Zwei Jahre nach der Markteinführung des B 1500 F kam mit dem B 622 ein größerer Frontlenker mit 2,75 Tonnen Nutzlast auf den Markt. Seine Typenbezeichnung richtete sich von Anfang an nach der neuen Nomenklatur, die 1959 eingeführt wurde. Der äußerliche Unterschied zum B 611 (zuvor B 1500 F) war auf den zweiten Blick deutlich zu sehen. Die Scheinwerfer befanden sich auf gleicher Höhe mit dem Kühlergrill, während sie beim kleineren Modell höher positioniert waren.Und es ging noch größer: Gleichzeitig mit dem 2,75-Tonner B 622 wurde 1957 der 5,5-Tonner B 655 eingeführt. Da beide Frontlenker das gleiche Fahrerhaus hatten, musste man schon genauer hinschauen, um die Fahrzeuge korrekt zu identifizieren. Der Unterschied war an den Felgen erkennbar: Der kleinere B 622 hatte Sechs-Loch-Felgen, der größere B 655 hingegen Acht-Loch-Felgen. Das Fahrzeug auf dem Foto hatte die Firma Hall in Köln mit einem Pritschenaufbau versehen.Der Blick ins Fahrerhaus des B 655 zeigt die hervorragende Rundumsicht, mit der sich die neuen Borgward-Frontlenker auszeichneten.Natürlich waren die Frontlenker auch als Chassis für Sonderaufbauten lieferbar. Diesen B 622 hatte die Firma Ackermann in Wuppertal als Möbelwagen karossiert.Zum Abschluss der neunten Seite dieser Chronik der Nutzfahrzeuge von Borgward ist ein prächtiger Lastzug zu sehen: der Borgward B 655 mit Kässbohrer-Aufbau und -Anhänger aus dem Jahr 1961, dem Schicksalsjahr, in dem das Ende für alle Fahrzeuge aus dem Borgward-Konzern kam.