Das IVECO-Werk in Madrid

Wo die schweren Modelle gebaut werden

Der Iveco S-Way kam 2019 auf den Markt und wird seitdem im Werk Madrid für Europa produziert. Die schweren Lkw mit der markanten Frontgestaltung erregten von Anfang an die Gemüter. Die einen waren sofort von der harmonischen Linienführung begeistert, die anderen meckerten zunächst über das vermeintliche Clownsgesicht. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt, denn tolle Lackierungen, alternative Antriebe und ausgereifte Technik machen den S-Way immer beliebter. In diesem Artikel geben wir eine IVECO-Pressemitteilung wieder, in der das Montagewerk in Madrid vorgestellt wird. Dazu gibt es 22 Fotos der schweren Modelle, die seit 1990 dort hergestellt wurden.
 

Einst liefen im Iveco-Werk Madrid die Lastwagen der legendären spanischen Marke Pegaso vom Band. Die Produktion war 1955 vom ehemaligen Hispano-Suiza-Werk in Barcelona in neue Hallen in Madrid verlegt worden. Nach der Übernahme durch Iveco im Jahr 1990 verließen noch die letzten Pegaso-Lkw der Baureihe Troner bis 1993 das Werk. Gleichzeitig wurden bereits IVECO-Modelle produziert, zunächst der EuroStar und der EuroTech, der 1992 die Auszeichnung „Truck of the Year” erhielt. Es folgten der Stralis, der Stralis Hi-Way und der S-Way.

Das IVECO Werk in Madrid ist Spaniens einziger Produktionsstandort für schwere Nutzfahrzeuge. Seit 2019 werden dort der S-Way und der X-Way produziert, seit 2021 auch der T-Way als Nachfolger des Trakker. All diese schweren Baureihen werden in ganz Europa ausgeliefert. Weitere Absatzregionen sind Afrika, der Nahe Osten und einzelne asiatische Märkte. In Lateinamerika gibt es zudem IVECO-Werke in Sete Lagoas (Brasilien) und seit 2026 auch in Córdoba (Argentinien).

Alle schweren IVECO-Modelle für Europa werden im ehemaligen Pegaso-Werk in Madrid hergestellt.

Ein mit Fotos illustrierter Pressetext aus dem Mai 2026 gewährt Einblicke in die spanische Produktionsstätte. Das Werk verfügt auf einer Fläche von 374.000 m² über eine mehr als einen Kilometer lange Hauptmontagelinie und bietet nahezu 40.000 mögliche Fahrzeugkonfigurationen. Mit 267 Basismodellen und mehr als 2.800 Individualisierungsoptionen wird jeder Lkw gezielt auf die Anforderungen des jeweiligen Kunden zugeschnitten, sodass jede Konfiguration im Durchschnitt nur rund dreimal pro Jahr gefertigt wird.

Das Foto zeigt ein großes Karussell für Produktionsträger, also ein rotierendes System zur Bereitstellung von Decks – das sind Montageplattformen, an denen Bauteile befestigt werden. An der nahezu senkrechten Wand des Karussells sind elektronische Bauteile angebracht, an denen Mitarbeitende montieren.
Prüfung des Armaturenbrett-Kabelbaums vor dem Einbau: Ein Monteur führt mit einem Prüfgerät die elektrische Funktionsprüfung durch und überwacht die Ergebnisse am Monitor.

„Jeder Lkw, den wir bauen, ist im Grunde ein Einzelstück, das nach spezifischen Vorgaben maßgeschneidert wird“, sagt José Manuel Jaquotot, Direktor der IVECO-Werke in Madrid und Valladolid. „Jedes Fahrzeug erhält eine eindeutige Kennung, mit der wir es von der Fahrerhausfertigung in Valladolid bis zur Endmontage in Madrid lückenlos verfolgen können. Das ist ein wesentlicher Beitrag zu mehr Transparenz und Qualitätssicherung.“

Der Produktionsprozess in Madrid wird durch moderne Logistik- und Automatisierungssysteme unterstützt. Ein dediziertes AGV-System (Automated Guided Vehicle System), auch FTS-System (Fahrerloses Transportsystem) genannt, transportiert die Fahrzeuge durch die Montagelinie. Diese Technik ermöglicht eine dynamische Anpassung der Taktzeiten an die jeweilige Komplexität der Fahrzeuge, ohne den Gesamtfluss der Produktion zu unterbrechen.

Montage der Lkw-Achsen vor dem Einbau ins Fahrzeug
Montage des Fahrerhauses und seiner Hauptkomponenten.

Die aus dem Werk Valladolid gelieferten Fahrerhäuser sind bereits geschweißt und lackiert. In Madrid werden sie vollständig ausgestattet, unter anderem mit Armaturenbrett, Sitzen, Schlafplätzen und Airbags. Aufgrund seiner Komplexität durchläuft allein das Armaturenbrett mehr als 100 elektrische Prüfungen und wird auf einer eigenen Linie montiert.

Ein zentraler Meilenstein im Montageprozess ist die sogenannte „Hochzeit“ von Fahrgestell und Fahrerhaus. Im Anschluss erhält der Lkw seine endgültige Form durch den Einbau der Außenkomponenten, die Montage der Räder sowie umfassende Endprüfungen, zu denen Dichtigkeitsprüfungen, Achs- und Geometriekalibrierung sowie Funktionskontrollen gehören.

Abschließende Prüfungen zur Sicherstellung von Qualität und Funktion.
Anbau des Kühlergrills
Der Acronym-Robot verklebt die einzelnen Buchstaben des neuen IVECO-Logos in den entsprechenden Aussparungen an der Fahrzeugfront.
Beinahe fertig: ein neuer IVECO S-Way nach der Montage der Räder

Die Stärke des Werks liegt neben der Technik vor allem in seinen Mitarbeitern. Mehr als 2.700 Beschäftigte bringen umfassendes Know-how und hohe Flexibilität ein, um kontinuierliche Verbesserungen der Produkte und neue Produktionsanläufe zu bewältigen.

Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil aller Produktionsschritte. So nutzt das Werk Madrid zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien und hat 2025 nahezu 90 Prozent des im Produktionsprozess eingesetzten Wassers recycelt. Gemeinsam mit dem Standort Valladolid ist es Vorreiter innerhalb der IVECO Group im Bereich nachhaltiger Produktion. Zudem ist es Teil eines wegweisenden Solar-Eigenverbrauchsprojekts mit Edison Next Spain, das dazu beiträgt, jährlich rund 500 Tonnen CO2-Emissionen zu vermeiden. Das Engagement von IVECO für die Dekarbonisierung geht deshalb weit über die Fahrzeugtechnologie hinaus. Bei den Fahrzeugen selbst verfolgt das Unternehmen eine Dekarbonisierungsstrategie mit einem Multi-Energy-Ansatz, der die Weiterentwicklung von Diesel- und HVO-, von Biomethan-, batterieelektrischen und Brennstoffzellentechnologien vorantreibt.

Soweit der IVECO-Pressetext, auf dem dieser Beitrag basiert. Auf LinkedIn gibt es dazu ein 43-Sekunden-Video (hier klicken). Es folgt ein Rückblick auf die IVECO-Modelle, die seit der Übernahme von Pegaso im Werk Madrid gebaut wurden. Zum Schluss eine Reihe von Fotos des aktuellen schweren Modells S-Way.

Als IVECO im Jahr 1990 im ehemaligen Pegaso-Werk die Produktion aufnahm, waren der EuroTech und der EuroStar die ersten IVECO-Modelle, die in Madrid gebaut wurden. Das Bild zeigt einen EuroTech, der nach alter spanischer Tradition mit vier Achsen ausgestattet war. Das noch mit dem Pegaso-Logo versehene, sehr gepflegte Fahrzeug war noch 2016 im täglichen Einsatz.
Der EuroStar war bis 2002 das Flaggschiff von IVECO. Das auf dem Foto gezeigte Fahrzeug mit Pegaso-Logo wurde als Containertransporter eingesetzt und war 2016 im Hafen von Barcelona anzutreffen.
Im Jahr 2002 begann die Stralis-Ära bei IVECO. Der Kühlergrill der ersten Baureihe hatte im oberen Bereich vier schmale waagerechte Öffnungen. Das Spitzenmodell mit breitem Fahrerhaus nannte sich Stralis AS, wobei AS für Active Space stand.
Der Stralis AS von 2007 sah durch den veränderten Kühlergrill dynamischer aus. Die vier Schlitze waren durch drei waagerechte Öffnungen ersetzt worden, deren Formen sich unten fortsetzten. Auch die neue Beleuchtungseinheit sorgte für ein moderneres Aussehen.
Die dritte Generation des Stralis wurde 2012 vorgestellt. Neben dem erneut überarbeiteten Kühlergrill waren auch die aerodynamischen Luftleitbleche an die abgeschrägte Gestaltung der Fahrzeugfront angepasst worden.
Ganz in Gelb und besonders schick: Stralis 3 einer niederländischen Spedition, aufgenommen 2013
Auch diese Gestaltung eines Stralis 3 stammt aus den Niederlanden. Ob Lackierung oder Folierung, lässt sich nicht eindeutig erkennen. Die Ausführung ignoriert die Fahrzeugformen vollständig, wirkt insgesamt jedoch absolut gelungen.
Der vierte und letzte Stralis 3 dieser Fotostrecke wurde in Spanien aufgenommen. Die markante Lackierung setzt den Kippsattelzug dabei eindrucksvoll in Szene. Das Foto stammt aus dem Jahr 2016.
Jetzt gehen wir zeitlich nochmal einen Schritt zurück und nehmen die Baufahrzeuge unter die Lupe. Der vierachsige Müllwagen, der in Barcelona unterwegs war, stammt aus der Baureihe EuroTrakker, die es von 1993 bis 2004 gab. Sie war als Baustellen- und Offroad-Baureihe innerhalb der damaligen schweren IVECO-Produktpalette positioniert und basierte technisch eng auf dem EuroTech, jedoch mit verstärktem Rahmen, Geländeeigenschaften und Allradvarianten.
Fünfachser waren bei IVECO nie im Angebot, aber in den Niederlanden gibt es darauf spezialisierte Unternehmen, die Baufahrzeuge mit zusätzlichen Achsen ausstatten, um die Nutzlast zu erhöhen. Auf dem Foto ist ein IVECO Trakker AD zu sehen. Die Baureihe erschien 2004.
Analog zum Stralis änderte sich 2007 auch beim Trakker der Kühlergrill.
2012 machte auch der Trakker 3 die Umstellung auf eine neue Frontgestaltung mit. Das Foto entstand 2021 auf der Insel Malta. Ein Jahr später kam mit dem T-Way eine neue IVECO-Baufahrzeug-Generation auf den Markt.
Zum Abschluss unserer IVECO-Fotostrecke folgen einige Bilder der neuen Generation schwerer Lastwagen des italienischen Nutzfahrzeugkonzerns, die in Madrid gebaut werden. Die Spedition Heinrich Gustke aus Rostock an der Ostsee betreibt mindestens 30 IVECO S-Way NP LNG-Sattelzugmaschinen mit verflüssigtem Erdgas. Dank kryogener Tanks für auf rund minus 160 Grad Celsius gekühltes Flüssigerdgas erreichen die Fahrzeuge eine Reichweite von bis zu 1.600 Kilometern. Bei ihrer Beschaffung im Jahr 2020 machten sie rund ein Viertel der Fahrzeugflotte aus.
„Like a hurricane“ – beim niederländischen Betonbauunternehmen Spaansen trägt jedes Fahrzeug einen individuellen Spruch an der Front. Die aufwendigen Lackierungen in zwei Rottönen mit Beige machen die Lkw von Spaansen zu besonderen Schmuckstücken, so auch die IVECO S-Way Sattelzugmaschinen.
Der aufwendig gestaltete IVECO S-Way der niederländischen Kors Hoogwerkers B.V. ist mit einer Liflux-Scherenarbeitsbühne auf einem Sattelauflieger von Vlastuin unterwegs.
Ab 2020 entstand die IVECO S-Way Magirus Edition als limitierte Sonderedition des schweren Fernverkehrs-Lkw. Auffällige Designakzente in Magirus-Rot und Blau sowie Details im Innen- und Außenbereich sorgen für einen eigenständigen Auftritt innerhalb der S-Way-Baureihe.
Auch das deutsche Unternehmen Reinert Logistics aus Schleife bei Cottbus betreibt viele seiner Lastzüge mit LNG. Die schmalen grünen Streifen am Fahrerhaus weisen auf den alternativen Antrieb hin.
Als Lang-Lkw im Einsatz: Ein IVECO S-Way der ID Logistics Group SA, einem französischen Logistikunternehmen mit Sitz in Orgon im Département Bouches-du-Rhône. Der 25,25 m lange Lastzug ist mit spanischen Kennzeichen unterwegs.
S-Way in schwarz-matt mit goldenen Akzenten auf der IAA Transportation 2024 in Hannover, noch mit dem bisherigen IVECO-Logo.
Imposant: S-Way mit Frontschutzgittern und weiteren Anbauteilen aus dem Fuhrpark der Wapner Spedition mit Sitz in Malchin in Mecklenburg-Vorpommern, unterwegs auf einer Landstraße in der Region.
Aufmerksamkeitsstark: Der S-Way „Metallica“ auf der IAA Transportation 2024 in Hannover. Die Sonderedition entstand aus der Partnerschaft von IVECO und der US-amerikanischen Heavy-Metal-Band Metallica. Der Messe-Lkw trägt bereits das modernisierte IVECO-Logo.
Das letzte Foto dieses Beitrags über die Produktion schwerer IVECO-Modelle in Madrid zeigt einen stimmig lackierten S-Way mit neuem Logo aus dem Fuhrpark der Vergossen Transport B.V. aus Koningsbosch nördlich von Maastricht, Niederlande.