Hartmannsdorf 2026: Das größte Oldtimer-Treffen Deutschlands
Nutzfahrzeuge aller Klassen reichlich vertreten
Jedes Jahr am 1. Mai findet in Hartmannsdorf bei Chemnitz ein großes Fahrzeugtreffen statt, das größte Treffen historischer Fahrzeuge in Deutschland. Dabei sind Fahrzeuge aller Gattungen vertreten. Unter den weit mehr als 3000 ausgestellten Fahrzeugen befinden sich Motorräder, Personenwagen, Traktoren und eine große Anzahl von Nutzfahrzeugen aller Art, vor allem aus der DDR, aber auch aus anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks und aus dem Westen. Nirgendwo sonst in Deutschland kann man gleichzeitig so viele Oldtimer am selben Ort bestaunen.

Das größte Oldtimer-Treffen Deutschlands
Wie immer war der Veranstalter des Treffens, das nun schon zum 23. Mal stattfand, der Verein Historische Nutzfahrzeuge e.V., der auch das Sächsische Nutzfahrzeugmuseum betreibt. Die Museumshalle befindet sich unmittelbar an der Einfahrt zum Veranstaltungsgelände. Für die Dauer des Treffens war das gesamte Gewerbegebiet rund um das Museum eingezäunt. Erwachsene ab 18 Jahren hatten gegen eine Gebühr von fünf Euro pro Person Zugang, Kinder und Jugendliche hatten freien Eintritt. Die Einfahrt für historische Fahrzeuge war kostenlos, für die Insassen fiel jedoch die Eintrittsgebühr an.
Es ist bewundernswert, wie die Museumsmannschaft mit dem Andrang von Menschen und Fahrzeugen in lockerer Art und Weise zurechtkam. Unter der Devise „Einfach kommen und wohlfühlen“ waren alle Besitzer von Oldtimern eingeladen, ohne Voranmeldung und ohne Formalitäten teilzunehmen, solange ihre Fahrzeuge den Vorgaben entsprachen, also mindestens dreißig Jahre alt waren. In diesem Jahr kamen drei- bis fünftausend Fahrzeuge, davon hatten etwa 3000 vier oder mehr Räder, der Rest bestand aus Motorrädern und Mofas. Die genaue Anzahl der Nutzfahrzeuge war nicht zu ermitteln (man hätte sie einfach mal zählen sollen), sie kann jedoch realistisch auf etwa 1000 geschätzt werden. Die Besucherzahl wird auf Anfrage mit mehreren zehntausend angegeben. Es gab genügend Besucherparkplätze, allerdings mussten teilweise ein paar hundert Meter Fußmarsch in Kauf genommen werden. Es gab jedoch auch einen Shuttle-Service mit historischen Bussen, die auf zwei unterschiedlichen Routen in die Ortschaften Hartmannsdorf und Burgstädt fuhren und dabei auch den Bahnhof ansteuerten. Der Fahrpreis für Erwachsene betrug drei Euro.



Neben den vielen Oldtimern gab es auch allerhand zusätzliche Attraktionen, wie etwa einen kleinen Rummelplatz mit Karussell und Schießstand, vielerlei Möglichkeiten, Hunger und Durst zu stillen und überall waren Verkaufsstände mit Autoteilen, Sammelgut und anderen nützlichen und unnützen Dingen zu finden. Auf einer kleinen Bühne hatte sich sogar eine Gruppe von Straßenmusikern postiert, die mit bekannten Hits aus den 70ern und 80ern immer wieder zusätzlich für Stimmung sorgte.
Die Atmosphäre glich einem Volksfest der besonderen Art, denn die Veranstaltung in Hartmannsdorf ist zweifellos das am meisten unterschätzte Oldtimer-Treffen, dennoch aber die größte Zusammenkunft von Fahrzeug-Veteranen vermutlich sogar in ganz Europa. Wer sich für das fahrzeugtechnische Vermächtnis der DDR interessiert, sollte auf jeden Fall beim Hartmannsdorfer Treffen dabei sein und auch dem Museum einen Besuch abstatten (Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt pro Person, Kinder und Studenten die Hälfte).



Wie schon im vergangenen Jahr berichten wir mit einem Artikel über das Treffen in Hartmannsdorf, der mehr als 75 Fotos von Nutzfahrzeugen enthält. Zumeist wurden die Fahrzeuge bei der An- und Abfahrt auf den umliegenden Straßen fotografiert, denn auf dem Treffen selbst war das Fotografieren kaum möglich. Schließlich tummelten sich Zehntausende von Zuschauern auf dem Gelände, die sich nur allzu gerne vor den Fahrzeugen aufhielten und wenig geneigt waren, auf die Fotografen zu achten.
Diesmal haben wir den Beitrag über das Treffen in Hartmannsdorf in so etwas wie Kapitel unterteilt. Zunächst ist auf einigen Bildern das Ambiente der Veranstaltung zu sehen. Dann folgen Fotos einzelner Fahrzeuge. Anstatt eines bunten Durcheinanders aller Marken sind die Bilder nach Herstellern geordnet. Zum Schluss folgt eine Mischung von Fotos unter der Überschrift „Was es sonst noch gab“.
IFA H 3 A und Sachsenring S 4000-1
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der H 3 der erste in der sowjetischen Besatzungszone (ab 1949 Deutsche Demokratische Republik) gebaute Lastwagen. Er entstand von 1947 bis 1949 in den Zwickauer Horch-Werken. Eines der sehr wenigen erhaltenen Exemplare ist im Sächsischen Nutzfahrzeugmuseum in Hartmannsdorf ausgestellt. Das Nachfolgemodell war der H 3 A, der zunächst auf Vomag-Basis ebenfalls in Zwickau gebaut wurde. Ab 1957 firmierte der bisherige Volkseigene Betrieb (VEB) Horch als VEB Sachsenring. 1958 erschien das Nachfolgemodell S 4000-1 mit einem 90-PS-Motor statt des bisherigen 80-PS-Aggregats. Der äußerliche Unterschied zum Vorgängermodell bestand im vereinfachten Kühlergrill; die ersten S 4000-1 wurden jedoch noch mit dem alten Grill ausgeliefert.
Ab 1958 wurde die Produktion des S 4000-1 schrittweise in das Fahrzeugwerk „Ernst Grube“ nach Werdau verlegt, um im Werk Zwickau Platz für die Produktion des Kleinwagens Trabant zu schaffen. Im Oktober 1959 lief der letzte Lkw in Zwickau vom Band.
Den S 4000-1 gab es mit verschiedenen Aufbauten sowie als kurze Zugmaschine mit Ballastpritsche. Ab 1959 war er auch als Sattelzugmaschine erhältlich. 1967 wurde die Produktion eingestellt. Lediglich der Autodrehkran ADK 63-2, der vom Motor und von Teilen der Karosserie her auf dem S 4000-1 basierte (die Achsen stammten vom H 6), wurde noch bis 1972 produziert.







IFA H 6 und G 5
Neben dem IFA H 3 A wurde im Werk Horch in Zwickau auch der H 6 entwickelt. Die Fahrerhäuser und weitere Teile beider Lastwagen waren identisch, doch die Haube des H 6 war höher und länger, da sein Sechszylinder-Motor mehr Platz benötigte als der Vierzylinder des H 3 A. Auf den ersten Blick und aus fast jeder Perspektive wird der äußerliche Unterschied durch das höhere Scheinwerfergehäuse des H 6 deutlich, bei dem über dem Lampenring einige Zentimeter Platz sind. Dort wurden oftmals Blinker eingebaut.
Der H 6 wurde von 1952 bis 1959 in einer Stückzahl von rund 7.500 Exemplaren im VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube” in Werdau produziert. Das Werk war nach einem Reichstagsabgeordneten der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus benannt. Ernst Grube war nach jahrelanger Haft in verschiedenen Konzentrationslagern wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Lager Bergen-Belsen an Fleckfieber gestorben.
Unter Verwendung von Komponenten des Typs H 6 entwickelte das Fahrzeugentwicklungswerk Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) 1953 im Auftrag der Nationalen Volksarmee (NVA) den Allrad-Dreiachser G 5. Etwa 10.000 Einheiten mit unterschiedlichen Aufbauten wurden im Fahrzeugwerk Werdau bis 1964 produziert. Der G 5 kam nicht nur beim Militär, sondern auch in der Bauwirtschaft zum Einsatz – als Mulden- oder Dreiseitenkipper, als Pritschenwagen sowie mit Werkstatt- und Tankaufbauten.





IFA W 50 und L 60
Bereits Ende 1958 begann man in Werdau mit der Weiterentwicklung des S 4000-1. Nach dem Bau einiger Prototypen – darunter auch Haubenfahrzeuge – begann im Jahr 1965 die Serienfertigung des Typs W 50 im VEB Automobilwerk Ludwigsfelde, da die Werksanlagen in Werdau für die geplanten Stückzahlen nicht ausreichen würden. Zunächst war der W 50 als Pritschenwagen erhältlich, doch schon im zweiten Produktionsjahr kamen Kipper und Kofferwagen hinzu. Später gab es rund 50 Aufbauvarianten. Im Jahr 1990 endete die Produktion des W 50, nachdem rund 570.000 Fahrzeuge dieses Typs die Werksanlagen verlassen hatten. Mehr als 70 Prozent der Produktion wurden exportiert, sogar nach Asien, Afrika und Südamerika.
Um ein Modell mit Kippkabine und höherer Motorleistung anbieten zu können, begann man in Ludwigsfelde bereits Ende der 1960er Jahre mit der Entwicklung eines neuen Lastwagens mit Sechszylindermotor. Nach dem Bau von Prototypen, einigen Planänderungen und dem gescheiterten Versuch, das Viererclub-Fahrerhaus von Volvo zu übernehmen, erschien schließlich Ende 1986 der L 60 in seiner Allradversion. Die Produktion der 4x2-Version begann erst 1989 und endete bereits ein Jahr später. Insgesamt erblickten kaum mehr als 20.000 Fahrzeuge des Typs L 60 das Licht der Welt.











Phänomen Granit, Robur Garant und Robur LO/LD
Die 1888 in Zittau gegründete Gustav Hiller AG war ursprünglich eine Fabrikationsstätte für Textilmaschinen. 1907 brachte das Unternehmen mit dem Phänomobil einen Dreirad-Lieferwagen auf den Markt, 1927 folgte der Phänomen Granit, das erste deutsche Nutzfahrzeug mit luftgekühltem Motor. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Enteignung und Demontage der Werksanlagen durch die sowjetischen Besatzer. 1948 wurde das Unternehmen in die IFA-Vereinigung Volkseigener Fahrzeugwerke eingegliedert. Die Produktionsstätte nannte sich nun Werk Phänomen Zittau. Von 1949 bis 1953 fertigte man dort mit neuer Frontgestaltung zunächst den Phänomen Granit 27 mit 50-PS-Benzinmotor und ab 1951 auch den Granit 32 mit 52-PS-Dieselmotor. Leider war in Hartmannsdorf 2026 keines dieser äußerlich identischen Modelle zu sehen.
1953 wurde die Produktion des Granit 27 eingestellt und der Granit 30 K mit einem 55-PS-Benzinmotor eingeführt. Der Dieselmotor des Granit 32 blieb unverändert, beide Modelle hatten aber eine neue Motorhaube, in die die Frontscheinwerfer integriert waren.
1956 und 1957 mussten sowohl die Bezeichnung des Fahrzeugs als auch der Firmenname geändert werden, nachdem eine Klage der enteigneten Besitzer erfolgreich gewesen war. Der Transporter hieß nun Garant und das Unternehmen nannte sich fortan VEB Robur.
1961 wurde der Garant durch den Frontlenker vom Typ LO 2500 ersetzt. Bereits 1957 war eine Variante als Omnibus vorgestellt worden, die von 1958 bis 1960 in kleiner Auflage produziert wurde. Bis 1964 lief der Robur LO 2500 in seiner ersten Erscheinungsform mit ovalem Kühlergrill vom Band, auch als LD 2500 mit Dieselmotor wie auch als Omnibus und mit vielen Aufbauvarianten.
Im Jahr 1965 erschienen der Robur LO 2501 und der LD 2501 mit vereinfachtem und vielleicht auch modernerem Kühlergrill. Der ovale, verchromte Rahmen war waagerechten Schlitzen gewichen. 1974 folgten die Modelle LO 3000 und LD 3000 mit fast gleichem Erscheinungsbild, ebenso ab 1985 das Mehrzweckfahrzeug LD 2002 A/MZ.
Der letzte Robur wurde 1991 nach der Wiedervereinigung mit einem neuen Kunststoffgrill und einem Deutz-Dieselmotor angeboten. Doch es wurden nur wenige Exemplare gebaut, bis noch im selben Jahr die Produktion des ehemals bedeutenden Herstellers komplett eingestellt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten seit 1950 eine Viertelmillion Fahrzeuge das Werk verlassen.













Framo und Barkas
Die Metallwerke Frankenberg wurden 1923 vom dänischen Industriellen Jørgen Skafte Rasmussen gegründet, dem bereits die Zschopauer Motorenwerke gehörten. Auf einem ehemaligen Kasernengelände entstanden zunächst Teile für Rasmussens DKW-Motorradproduktion, ab 1927 wurden dort jedoch die ersten Dreirad-Lieferwagen produziert.
Unter der neuen Firmenbezeichnung „Framo-Werke GmbH” zog das Unternehmen 1933 nach Hainichen in Sachsen um und begann ein Jahr später mit der Herstellung von Drei- und Vierrad-Fahrzeugen. In den folgenden Jahren entstanden verschiedene Modelle; das Unternehmen war vor allem im Bau von Lieferwagen erfolgreich.
1939 musste die Produktion von Dreirad-Fahrzeugen eingestellt werden, da die NS-Regierung eine Vereinheitlichung aller Fahrzeugkategorien anordnete. Gemeinsam mit den Firmen Gutbrod, Manderbach, Ostner und Vidal sollte ein 0,65-Tonner entwickelt werden, doch die Pläne verliefen durch den Kriegsanfang im Sand.
Gebaut wurde weiterhin der 1938 vorgestellte Typ V 500 (15 PS), der 1941 zum „Einheitstyp 650” mit der Typenbezeichnung V 501/I (14,5 PS) wurde. Von 1942 bis 1943 lief noch der Typ V 501/II mit 17 PS vom Band, dann war Schluss mit der Fahrzeugproduktion und es wurde vollends auf die Herstellung von Rüstungsgütern umgestellt.
1945 nahmen die Framo-Werke den Betrieb zunächst mit der Herstellung von Transportkarren und Pferdewagen wieder auf. Es folgten Ersatzteile für Kraftfahrzeuge, und 1949 lief die Fahrzeugproduktion wieder an. Unter der Bezeichnung „IFA Fahrzeugwerk Framo VEB” begann man mit der Produktion des Kriegsmodells V 501/II, von dem 65 Exemplare das Werk verließen. Im nächsten Jahr folgte der V 501 mit neuer Frontgestaltung, 1952 dann der V 901. Neben Pritschenwagen gab es inzwischen auch Varianten als Kastenwagen, Kleinbus und Krankenwagen.
Von 1957 bis 1961 stellte das Fahrzeugwerk in Hainichen die letzte Ausführung der Baureihe 901 her. Das neue Modell mit der Bezeichnung 901/2 wies ein breiteres Fahrerhaus sowie in die Kotflügel integrierte Frontscheinwerfer auf. Außerdem wurde der Transporter mit dem Dreizylinder-Motor des Personenwagens IFA F9, später Wartburg 311 ausgerüstet. Das Werk firmierte nun unter dem Namen VEB Barkas-Werke und der Hauptsitz wurde nach Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, verlegt.
Im Juni 1961 begann die Produktion des Barkas B 1000, eines besonders ansprechend gestalteten Frontlenkers, der die Formensprache seiner Zeit widerspiegelte. Zunächst war er nur als Kastenwagen erhältlich. 1964 folgte der Achtsitzer-Kombi, ein Jahr später kamen Pritschenwagen, Kleinbus, Ambulanz und Unfallwagen für die Polizei auf den Markt.
Das fortschrittliche Konzept des B 1000 – also Frontantrieb, die niedrige Ladehöhe dank Drehstabfedern, die gute Straßenlage und das günstige Verhältnis von Leermasse zu Nutzlast – machte den Transporter zu einem beliebten Fahrzeug. In den ersten Jahren seiner Bauzeit war die Leistung des 45-PS-Motors des Personenwagens Wartburg 311 mit 1000 Kubikzentimetern Hubraum noch völlig ausreichend, doch allmählich wurde er für das Nutzfahrzeug mit einer Tonne Nutzlast als zu schwach empfunden. Im Jahr 1989 erschien der B 1000 zwar noch mit dem in Lizenz gefertigten VW-Motor, der auch den Wartburg 1.3 antrieb, doch das Update kam zu spät, um die veränderten Ansprüche der Kundschaft zu erfüllen. 1990 wurde die Produktion eingestellt.









Diesel-Ameise und Multicar
Im Jahr 1925 wurde die Motorenbaufirma Kühne im sächsischen Obercunewalde gegründet. Vier Jahre später übernahm die Firma Otto Bark mit Sitz in Dresden das Werk. Zu Beginn baute das Unternehmen Antriebsaggregate für Motorräder und bald darauf auch Komponenten für Flugzeugmotoren im Auftrag der Armee. 1946 wurde der Betrieb zum VEB Motorenwerke Cunewalde vergesellschaftet und stellte zunächst vor allem Dieselmotoren für den Stationärbetrieb her.
Ab 1950 entwickelte der Betrieb zusammen mit dem Gusspress- und Schmiedewerk Brand-Erbisdorf einen Kleintransporter namens „Elektro-Ameise”. Da jedoch für eine Serienproduktion nicht genügend Akkus zur Verfügung standen, folgte schon bald eine Version mit Dieselmotor. Sie erhielt die Bezeichnung DK für „Diesel-Karren”. Der Fahrer stand auf einer nach vorne offenen Plattform und lenkte das Fahrzeug über Fußpedale. Die Nutzlast betrug zwei Tonnen, bei der Kipper-Version 1,85 Tonnen. Die Anhängelast war mit 1,8 Tonnen angegeben. Nachdem die Produktion zunächst nach Brand-Erbisdorf verlagert worden war, übernahm das Industriewerk Ludwigsfelde 1954 den Bau der „Diesel-Ameise”, die aber diese Bezeichnung nicht offiziell tragen durfte, weil entsprechende Namensrechte im Westen bereits vergeben waren.
Bis 1956 verließen rund 1000 Fahrzeuge das Werk, danach erfolgte die Übernahme der Produktion durch das VEB Fahrzeugwerk Waltershausen. 1958 erhielt das Fahrzeug eine rundliche Karosserie mit einer nach vorne zu öffnenden Tür. Die Diesel-Ameise hatte zwar noch immer einen nach oben offenen Fahrerplatz, sah aber nun aus wie ein Kleintransporter. Die Typenbezeichnung lautete zunächst DK 2004, dann DK 4 und schließlich, Ende 1959, Multicar M 21, wobei die „2” für die Nutzlast und die „1” für die Baureihe stand.
Im Jahr 1964 war es dann so weit: Auf der Leipziger Frühjahrsmesse wurde ein neuer Multicar mit einem überdachten, asymmetrischen Fahrerhaus und einem Lenkrad statt der unpraktischen Fußpedale vorgestellt. Der Multicar M 22 war geboren. Ein neuer luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Dieselmotor mit 14 PS ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 23 Stundenkilometern. Es gab vielerlei Aufbauvarianten, darunter sogar einen Betonmischer. Die Verkaufszahlen im Inland und die Exporterfolge zeigten den Bedarf an einem solchen Mehrzweckfahrzeug. Doch der Ruf nach einem Zweimann-Fahrerhaus wurde lauter.
1969 reifte der Multicar M 23 mit zweisitzigem Fahrerhaus bis zum Prototypen heran. Doch die Regierung der DDR gab die notwendigen Mittel zur Produktion nicht frei, obwohl es zahllose Anfragen aus dem In- und Ausland nach einem entsprechenden Fahrzeug gab.
1974 kam es erneut zum Modellwechsel: Der IFA Multicar 24 verfügte über ein kippbares Einmann-Fahrerhaus und einen stärkeren Vierzylindermotor. Der neue, wassergekühlte 45-PS-Motor aus Cunewalde mit 1996 Kubikzentimetern Hubraum machte den Kleintransporter 50 Stundenkilometer schnell. Damit stellte der Multicar innerorts kein Verkehrshindernis mehr dar. 1977 kam unter der Bezeichnung IFA Multicar 24-0 endlich auch eine Variante mit einem zweisitzigen Fahrerhaus hinzu. Von den insgesamt 25.659 gebauten Exemplaren des Multicar 24 wurden mehr als die Hälfte exportiert.
Der auf der Leipziger Herbstmesse 1978 vorgestellte IFA Multicar 25 wartete mit einer neuen, tief heruntergezogenen Frontscheibe auf. Ab Ende 1982 konnte er auch mit Allradantrieb bestellt werden. Der Radstand des Allradmodells betrug 2.100 Millimeter, während er beim Modell mit Hinterachsantrieb 1.870 Millimeter betrug. Ab 1985 gab es zusätzlich eine Allradvariante mit 2.675 Millimetern Radstand. Durch einen stoßgedämpften Schwingsitz wurde zudem der Fahrkomfort des Typs 25 verbessert.
Im Jahr 1990 wurden alle volkseigenen Betriebe der DDR der sogenannten Treuhand zur Verwaltung und Abwicklung unterstellt. Dieser Schritt verhinderte jedoch nicht das Verschwinden sämtlicher Kraftfahrzeugmarken der DDR – mit einer Ausnahme: dem Multicar. Bis 1991 wurden rund 100.000 Multicars der Baureihe 25 verkauft. Davon wurden etwa 75 Prozent exportiert, auch in westeuropäische Länder. Nach der Wiedervereinigung lief die Produktion in Waltershausen unter dem Namen Multicar Spezialfahrzeuge GmbH weiter. Die Firma Schörling aus Hannover stieg ein, die Nutzlast des Typs 25 wurde auf 2,4 Tonnen erhöht und manche Komponenten kamen nun aus dem Westen. So erhielt das Fahrzeug einen 54,5-PS-Dieselmotor von VW und die Hydraulik wurde von Mannesmann-Rexroth geliefert.
Der Multicar 26 aus dem Jahr 1992 erhielt eine neue Frontgestaltung mit einer anthrazitfarbenen Kunststoffplatte, um das Fahrzeug moderner wirken zu lassen. Der Volkswagen-Dieselmotor ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Ab 1994 standen auch Iveco-Turbodiesel mit bis zu 105 PS zur Verfügung. Die so motorisierten Fahrzeuge bekamen die zusätzliche Bezeichnung „Champion”. Das Modell Multicar 26 blieb bis 2010 im Programm.
Im Jahr 1998 stieg die Hako-Gruppe aus Bad Oldesloe ein. Fünfzehn Jahre später wurde der Name „Multicar” als Firmenbezeichnung fallengelassen, doch manche Baureihen der heutigen Produktion tragen noch immer den Schriftzug „Multicar” (M31, M27, Fumo und Tremo).



Besuch aus der Zeit vor 1945
Wie bei anderen Oldtimer-Veranstaltungen waren auch in Hartmannsdorf Fahrzeuge aus der Zeit vor 1945 eine seltene Erscheinung. Immerhin: Neben dem weiter oben gezeigten Framo aus dem Jahr 1938 und einer größeren Anzahl von Personenwagen hatten mindestens drei Nutzfahrzeuge aus den 1930er Jahren die Veranstaltung auf eigenen Achsen angesteuert. Auf den folgenden Bildern sind sie beim Verlassen des Treffens auf dem Weg nach Hause zu sehen.



Seltene Omnibusse
Größere Omnibusse aus DDR-eigener Produktion waren schon damals selten und sind es heute noch mehr. Häufig waren es ungarische Busse der Marke Ikarus, die in der DDR für die Personenbeförderung eingesetzt wurden. Doch von den beiden wichtigsten Busmodellen aus ostdeutscher Produktion war jeweils ein Exemplar in Hartmannsdorf als Shuttle im Einsatz, um Besucher, die ohne Auto gekommen waren, zur Veranstaltung zu bringen und später wieder in die umliegenden Ortschaften und zum Bahnhof zurückzubringen. Auch einige Ikarus-Busse waren in Hartmannsdorf als Shuttle im Einsatz.






Was es sonst noch gab
Natürlich hatte die Veranstaltung in Hartmannsdorf noch vieles andere zu bieten. Neben einer Reihe von Ackerschleppern – von denen wir hier nur ein Beispiel zeigen – gab es zum Beispiel einen mächtigen Schiffsdiesel vom Elbewerk aus Roßlau, den ein Teilnehmer auf seinem Anhänger mitgebracht hatte, oder einen Wartburg-Pick-up mit passendem Anhänger.




Weltenwanderer
Zu sehen waren nicht nur Nutzfahrzeug-Raritäten aus den ehemals sozialistischen Ländern, sondern auch aus Westeuropa und den USA. Ebenso beeindruckend war die schier unendliche Zahl an Personenwagen und Zweirädern aus vielen Ländern. die wir hier nicht abbilden, denn wir sind ja auf Nutzfahrzeuge spezialisiert.











Schlusswort
Bei der Foto-Auswahl haben wir darauf geachtet, Fahrzeuge, die wir im vergangenen Jahr abgebildet hatten, diesmal weitgehend durch andere zu ersetzen. Deshalb lohnt ein Blick in unseren Beitrag von 2025, denn viele der dort abgebildeten Fahrzeuge waren auch in diesem Jahr wieder dabei. Hier der Link dazu.
Wir danken den Mitarbeitern des Sächsischen Nutzfahrzeugmuseums für die Unterstützung bei der Zusammenstellung dieses Artikels.
Text und Fotos: Steve St.Schmidt














