SuperPanther startet in Steyr
Chinesische Technik aus österreichischer Fertigung
Im traditionsreichen Lkw-Werk von Steyr hat die Serienproduktion des batterieelektrischen SuperPanther eTopas 600 begonnen. Der chinesisch entwickelte Elektro-Lkw wird in Österreich für den europäischen Markt endmontiert und bereits an erste Kunden ausgeliefert. Er ist zwar nicht der erste chinesische Lkw auf Europas Straßen, markiert aber einen neuen Schritt im Wettbewerb mit den etablierten Herstellern. SuperPanther setzt dabei nicht auf den reinen Import, sondern auf europäische Fertigung, Zulieferer und Servicepartner.

Am 27. Juli 2026 stand in der Montagehalle von Steyr Automotive ein auffällig gelber Elektro-Lkw mit DHL-Schriftzug und großer roter Schleife vor dem Kühlergrill. Dahinter warteten weitere Sattelzugmaschinen. Der chinesische Hersteller SuperPanther hatte zur Übergabe der ersten serienmäßig produzierten Exemplare seines eTopas 600 eingeladen.
Damit wird im österreichischen Steyr wieder eine komplette schwere Sattelzugmaschine hergestellt. Es handelt sich allerdings nicht, wie zunächst verschiedentlich gemeldet wurde, um einen neuen Lkw der Marke Steyr. Der eTopas 600 wird unter der Marke SuperPanther verkauft. Ein kleiner Schriftzug „by Steyr Automotive“ verweist auf den österreichischen Fertigungspartner.

Trotzdem ist der Produktionsbeginn mehr als eine gewöhnliche Auftragsfertigung. Er zeigt, wie chinesische Nutzfahrzeughersteller ihren Eintritt in den europäischen Markt vorbereiten. Statt vollständig montierte Fahrzeuge einfach aus China zu importieren, kombiniert SuperPanther die eigene Elektroplattform mit europäischer Produktion, Zuliefertechnik, Zulassung und einem vorhandenen Servicenetz.
Ein chinesischer Newcomer
SuperPanther wurde erst 2022 gegründet und konzentriert sich auf elektrische Antriebssysteme und schwere Elektro-Lkw. Das Unternehmen versteht sich nicht nur als Fahrzeughersteller, sondern möchte seine Antriebstechnik, Software und Ladesysteme auch anderen Herstellern anbieten.
In China gibt es bereits die schwere Elektro-Sattelzugmaschine Black Diamond. Dieses 6×4-Modell ist jedoch nicht für Europa vorgesehen. Für den hiesigen Markt entstand der eTopas 600 als klassische 4×2-Sattelzugmaschine mit den in Europa üblichen Abmessungen, Achslasten und Anschlusssystemen.
Einen ersten Blick auf das Fahrzeug konnten Besucher der IAA Transportation 2024 in Hannover werfen. Damals stand der Name Steyr noch deutlich sichtbar an der Front, während SuperPanther eher zurückhaltend auftrat. Beim Serienfahrzeug ist die Rollenverteilung eindeutiger: Marke und Emblem von SuperPanther bestimmen die Front, Steyr Automotive wird als Produktionspartner genannt.

Produktion auf historischem Boden
Das Werk in Steyr besitzt eine lange Nutzfahrzeugtradition. Über Jahrzehnte entstanden dort Lastwagen der Marke Steyr. Nach der Übernahme der Nutzfahrzeugsparte durch MAN wurden in Oberösterreich unter anderem Fahrzeuge der Baureihen MAN TGL und TGM gefertigt. Seit 2021 arbeitet das Unternehmen unter dem Namen Steyr Automotive als unabhängiger Auftragsfertiger und Industriebetrieb.
Für SuperPanther übernimmt Steyr Automotive die Endmontage, Inbetriebnahme und Qualitätsabnahme. Produziert wird zunächst im Semi-Knocked-Down-Verfahren, kurz SKD. Dabei werden angelieferte Baugruppen und vormontierte Module in Steyr zu vollständigen Fahrzeugen zusammengefügt.

Die Kerntechnik des Elektroantriebs liefert SuperPanther. Dazu gehören die E-Achse mit zwei Motoren, die Hochvolt-Leistungselektronik und das Thermomanagement. Gleichzeitig sind europäische Zulieferer wie ZF, Schaeffler, Aumovio, Infineon, Michelin, Continental, Goodyear und Castrol beteiligt.
Der eTopas 600 ist deshalb weder ein rein chinesisches Importfahrzeug noch ein vollständig in Österreich entwickelter Lkw. Er ist ein internationales Produkt, dessen technische Plattform aus China stammt und dessen Industrialisierung für Europa gemeinsam mit Partnern vor Ort erfolgt.

Die technischen Daten positionieren den eTopas 600 im Wettbewerb mit den elektrischen Fernverkehrsmodellen der etablierten europäischen Hersteller. Seit März 2026 soll eine Kunden-Testflotte auf unterschiedlichen Strecken mehr als 70.000 Kilometer zurückgelegt haben. Dabei wurde laut SuperPanther ein Durchschnittsverbrauch von rund 0,94 Kilowattstunden je Kilometer erreicht. Weitere unabhängige Tests müssen zeigen, wie sich dieser Wert im dauerhaften Flottenbetrieb bestätigt.

Eine Besonderheit ist das Ladesystem. Auf beiden Seiten des Fahrzeugs befindet sich ein CCS2-Anschluss, sodass die Batterie über zwei Kabel gleichzeitig geladen werden kann. Die dabei gemessene Spitzenleistung von knapp 647 kW ermöglicht nach Herstellerangaben eine Ladung von 20 auf 80 Prozent in weniger als 38 Minuten.
Das setzt allerdings zwei entsprechend leistungsfähige und miteinander kompatible Ladepunkte voraus. Die hohe Gesamtleistung steht daher nicht an jeder Ladestation zur Verfügung. Für den Fernverkehr bleibt die kurze Ladezeit interessant, weil sie sich ungefähr mit einer vorgeschriebenen Fahrerpause deckt.

Vom Test in den Kundenbetrieb
DHL Freight beschäftigte sich schon vor dem Serienstart intensiv mit dem eTopas 600. Im Herbst 2024 vereinbarten DHL und SuperPanther auf der IAA Transportation eine strategische Zusammenarbeit. Ende 2025 begannen in Österreich praktische Erprobungen.
Eine Teststrecke führte von Wels nach Wien und zurück. Auf der rund 400 Kilometer langen Runde war der eTopas mit 15 Tonnen Fracht beladen. Untersucht wurden nicht nur Reichweite und Energieverbrauch, sondern auch Bedienung, Sicherheit, Ladeintegration und die Einbindung in vorhandene Betriebsabläufe.

Beim Start der Serienproduktion gingen Fahrzeuge an DHL Freight, die deutsche Gress Speditions GmbH, das österreichische Unternehmen Temmel und die in Polen und Tschechien tätige Lontex-Gruppe. Damit beginnt nach Angaben von SuperPanther der kommerzielle Einsatz in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Polen und Tschechien.
Lontex übernimmt zugleich Vertriebs- und Serviceaufgaben in Polen und Tschechien. Für Wartung, Reparatur und Pannenhilfe arbeitet SuperPanther außerdem mit dem markenunabhängigen Werkstattverbund Alltrucks zusammen. Ein belastbares Servicenetz ist für einen neuen Hersteller beinahe ebenso wichtig wie das Fahrzeug selbst. Speditionen kaufen nicht nur Reichweite und Motorleistung, sondern erwarten eine zuverlässige Ersatzteilversorgung und schnelle Hilfe bei Ausfällen.

Nicht der erste Chinese
Der eTopas 600 ist nicht der erste chinesische schwere Lkw in europäischer Kundenhand. Sany liefert seine elektrische Sattelzugmaschine e263 bereits seit dem Frühjahr 2026 in Deutschland aus. Das chinesische Start-up Windrose übergab im Juli seinen ersten Global E700 an den belgischen Transporteur Gilbert De Clercq.
Hinzu kommt Sinotruk. Ebenfalls bei Steyr Automotive begann im März 2026 die Montage von Diesel- und Elektro-Lkw dieses chinesischen Herstellers. Das erste Fahrzeug aus dieser Zusammenarbeit wurde bereits am 3. März fertiggestellt.
SuperPanther ist damit Teil einer größeren Entwicklung. Auch BYD und die Geely-Tochter Farizon gehören zu den chinesischen Herstellern, die auf den europäischen Nutzfahrzeugmarkt drängen. Einige setzen auf niedrigere Preise, andere auf große Batterien, hohe Ladeleistungen und lange Reichweiten.
Für Daimler Truck, Volvo, Traton mit MAN und Scania, DAF, Iveco und Renault Trucks entsteht neue Konkurrenz. Die etablierten Hersteller besitzen allerdings weiterhin wichtige Vorteile: langjährige Kundenbeziehungen, dichte Vertriebs- und Servicenetze, Finanzdienstleistungen und viel Erfahrung mit den Anforderungen europäischer Transportunternehmen.
Der Aufbau einer verlässlichen Ersatzteilversorgung und eines funktionierenden Kundendienstes dürfte für die Newcomer eine größere Herausforderung werden als die Entwicklung technisch beeindruckender Fahrzeuge. SuperPanther versucht, diese Hürde mithilfe europäischer Partner zu überwinden.
Mehr als ein Importfahrzeug
„Europa braucht keinen weiteren importierten Lkw. Es braucht einen weiteren Industriepartner“, erklärte SuperPanther-Gründer Chao Liu beim Serienstart. Der Satz beschreibt die Strategie des Unternehmens.
Der eTopas 600 soll nicht als Fremdkörper aus China auftreten. Er wird in Europa montiert und geprüft, besitzt eine EU-Gesamtfahrzeug-Typgenehmigung, verwendet Komponenten europäischer Zulieferer und stützt sich auf ein vorhandenes Werkstattnetz. Das macht ihn noch nicht zu einem europäischen Lkw im klassischen Sinn. Es unterscheidet ihn aber von einem Fahrzeug, das fertig aus China verschifft und lediglich über einen Importeur vertrieben wird.


Der gelbe eTopas 600 vor dem Montageband in Steyr steht deshalb weniger für eine einzelne Premiere als für einen möglichen Wendepunkt. Chinesische Lkw-Hersteller begnügen sich nicht länger mit Messeauftritten und angekündigten Projekten. Ihre Fahrzeuge erreichen europäische Kunden und gehen in den regulären Betrieb.
Ob SuperPanther den etablierten Marken tatsächlich gefährlich werden kann, entscheiden nicht die Leistungswerte auf dem Papier. Ausschlaggebend sind Zuverlässigkeit, Preis, Restwert, Servicequalität und die Erfahrungen der ersten Fahrer und Fuhrparkbetreiber. Diese Bewährungsprobe beginnt jetzt – auf den Straßen Europas.
Text: Steve St.Schmidt
Fotos, sofern nicht anders angegeben: SuperPanther – wir danken für die Bereitstellung.
Bei der Recherche, Strukturierung und Formulierung dieses Beitrags kam generative KI unterstützend zum Einsatz.


