Jedes Jahr am letzten Juli-Wochenende wird der TT Circuit in Assen, Niederlande, zur größten Lkw-Party der Welt: dem Profile Truckstar Festival. Seit 1980 organisiert von Truckstar, der führenden Lkw-Zeitschrift des Landes, ist Reifenhändler Profile seit 2023 offizieller Hauptsponsor. Über 2.300 Lastwagen – von Speditionsfahrzeugen über Schwertransporter und Spezialfahrzeuge bis zu zahlreichen Lkw-Veteranen – kommen nach Assen und ziehen Zehntausende Besucher an. Neben der Fahrzeugschau gibt es Jahrmarkt, Flohmarkt, Lastwagen-Darbietungen vor der Tribüne und die Wahl des schönsten Trucks. Unser Report ist ein Rückblick auf das Profile Truckstar Festival 2026 mit vielen hochwertigen Fotos und informativen Texten.
In Europa gibt es kein Land, dessen Bevölkerung so Lkw-besessen ist wie die der Niederlande. Schön gestaltete Trucks gibt es allerdings auch in den skandinavischen Ländern. Auch in Belgien, Deutschland, Großbritannien und anderen Nationen wird der Lkw nicht mehr nur als Transportwerkzeug betrachtet. Vielmehr identifiziert man sich mit ihm und hebt ihn durch aufwendige Lackierungen und Zurüstteile optisch und technisch auf ein neues Level. Doch die Niederlande sind kaum zu toppen. In dem vergleichsweise kleinen Land mit rund 18 Millionen Einwohnern sind fast 17.000 Speditionen registriert, die insgesamt mehr als 150.000 Fahrzeuge über 7,5 Tonnen betreiben. Zum Vergleich: In Deutschland mit mehr als 83 Millionen Einwohnern gibt es etwa doppelt so viele Speditionen, die insgesamt rund 920.000 Fahrzeuge über 7,5 Tonnen betreiben. Die Lkw-Dichte ist in den Niederlanden jedoch etwa 74 Prozent höher als in Deutschland, wenn man die Landflächen beider Länder vergleicht (Niederlande: 33.626 Quadratkilometer, Deutschland: 349.400 Quadratkilometer). In den Niederlanden begegnet man auf Schritt und Tritt schweren Lastwagen, doch niemand stört sich daran. Im Gegenteil. Wer sein Geld am Steuer eines Lkws verdient, genießt hohes Ansehen – aus der ehemaligen Seefahrer-Nation ist ein Fernfahrer-Paradies geworden.
Diese Luftaufnahme vom Freitag, dem Anreisetag, zeigt einen Teilbereich des Festivalgeländes innerhalb der Rennstrecke TT Circuit nahe Assen (Foto: Cojan van Toor 2026).
Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Beliebtheit schwerer Nutzfahrzeuge hat auch eine engagierte Zeitschrift: das führende niederländische Fachblatt Truckstar, das dreizehnmal pro Jahr erscheint. Außerdem gibt es drei jährliche Sonderausgaben, nämlich das Supertruck-Special, das Special für Schwer- und Sondertransporte sowie das Klassiker-Special. Anfang dieses Jahres hat Truckstar eine zusätzliche Sonderausgabe für Scania erstellt, denn seit 80 Jahren bauen die Schweden auch in den Niederlanden Lkw. Die seit 1980 bestehende Zeitschrift hat eine Auflage von 35.000 Exemplaren. Die deutsche Zeitschrift „Fernfahrer“ gibt ihre Auflage mit 25.000 Exemplaren an, von denen 16.000 verkauft werden. Hinzu kommen die digitalen Ausgaben beider Zeitschriften sowie ihre Präsenz in den sozialen Medien. „Truckstar“ hat dort insgesamt 242.500 Follower, „Fernfahrer“ kann auf 100.000 Abonnenten zählen. Im Vergleich zu den Bevölkerungszahlen spiegeln auch diese Werte das starke Interesse der Niederländer am Straßengüterverkehr wider.
Einige der teilnehmenden Speditionen brachten ihre Schätze auf Tiefladern nach Assen mit, darunter diesen Scania-Vabis L 76, der von 1963 bis 1968 gebaut wurde. Das Fahrerhaus stammt vermutlich vom nachfolgenden Scania-Modell.Andere zogen es vor, auf eigenen Achsen anzurollen, wie dieser Scania-Vabis LB 76, der von 1973 bis 1978 gebaut wurde. Besonders schön ist auch der typisch niederländische Sattelauflieger. Das Foto stammt vom Abreisetag, dem Sonntagnachmittag.
Was aber entscheidend dazu beiträgt, den Lkw bei der Bevölkerung im besten Licht zu präsentieren, ist das alljährlich am letzten Juli-Wochenende stattfindende „Profile Truckstar Festival“ auf dem TT Circuit in Assen. Es wird von der Zeitschrift Truckstar ausgerichtet. Zehntausende Besucher strömen aus allen zwölf Provinzen der Niederlande und aus anderen europäischen Nationen herbei. Das Truckstar Festival ist eine riesige, fröhliche, friedliche und bunte Party unter Gleichgesinnten. Die Besucher bestaunen nicht nur die etwa 2.300 angereisten Lkw, sondern verbringen auch das ganze Wochenende mit den Transportunternehmern, Fahrerinnen und Fahrern und erleben echte „Quality Time“. Das weltweit größte Truck-Event bietet mit seinem vielfältigen Programm rund um Speditionsfahrzeuge, Showtrucks und Lkw-Oldtimer sowie US-Trucks und Schwerlastfahrzeuge alljährlich zahlreiche Action-Shows, Live-Musik und Präsentationen der großen Lkw-Marken.
Durch diese hohle Gasse muss jede Besucherin und jeder Besucher kommen, um in den inneren Bereich des TT Circuits zu gelangen, wo sich das eigentliche Festival abspielt. Dabei kann man sich über weitere Veranstaltungen der laufenden Saison informieren. Die "Road to Glory" führt durch den "Tunnel of Fame" zur "Cathedral of Speed" – nett ausgedachte Werbeslogans für eine Rennstrecke (Straße zum Ruhm, Tunnel der Ehre und Kathedrale der Geschwindigkeit).Die große niederländische Lkw-Marke DAF, die einst auch Personenwagen im Angebot hatte, ist natürlich in Assen stark vertreten – auch bei den Veteranenfahrzeugen. Das Bild zeigt sorgfältig restaurierte Exemplare der frühen DAF-Generationen, die am Anreisetag bunt aufgereiht auf das Publikum warten.Mitte der 1980er Jahre kam der DAF 3600 ATI auf den Markt. Den Haubenwagen mit Magirus-Fahrerhaus und von DAF entworfener Haube aus GFK gab es dagegen schon ab 1981.DAF hatte natürlich einen eigenen Bereich auf dem Festival, in dem viele neue Lkw in ganz unterschiedlichen Konfigurationen und mit tollen Lackierungen präsentiert wurden. Das Foto zeigt nur einen Teil davon.Der TurboTwin II basierte auf dem Modell 3600. Mit diesem Fahrzeug gewannen Jan de Rooy, Yvo Geusens und Theo van de Rijt 1987 die Lkw-Wertung bei der Rallye Paris–Dakar. DAF stellte das historische Fahrzeug in der Mitte seines Festival-Bereichs aus und schüttete dafür eigens einen dekorativen Sandhaufen auf. Unklar ist, ob der Sand aus der Sahara stammte.Am Freitagabend herrschte im Youngtimerbereich des Festivals ein Moment der Stille.Ausgerüstet mit einem Detroit-Diesel ist dies einer der wenigen überlebenden Lastwagen der zweiten Generation der niederländischen Firma Floor's Handel en Industrie B.V. Von 1966 bis 1994 wurden bei diesem Unternehmen insgesamt 668 Lastwagen gebaut, die das FTF-Logo an der Front trugen.Ruhe vor dem Sturm: Am Freitagabend konnte man sich noch ungestört zwischen den aufgereihten Youngtimern unterhalten, ohne von Menschenmassen umzingelt zu werden.
Viele Familien kommen gemeinsam nach Assen, denn dieser Termin ist seit Jahren fester Bestandteil ihres Kalenders. Ohne Zeitdruck oder Eile können Kollegen miteinander sprechen. Entlang der Strecke, irgendwo zwischen der Showstraat, der Haupttribüne und dem Grill, entstehen die schönsten Gespräche und Freundschaften fürs ganze Leben werden geschlossen. In einem Transportwesen, in dem alles immer schneller gehen muss und die Arbeitsbelastung oft sehr hoch ist, fühlt sich Assen ein wenig anders an – hier gibt es Zeit für entspannte Unterhaltung. Und es gibt viel zu erleben.
Da sah es am Samstag schon anders aus. Insgesamt zählte das Festival über das Wochenende verteilt nahezu 60.000 Besucherinnen und Besucher. Sie feierten die größte Lkw-Party der Welt bei zumeist strahlend blauem Himmel.Vogelperspektive: Ein Teil des Festivalgeländes mit endlosen Reihen von Lastzügen und Sattelzugmaschinen. Rechts am oberen Bildrand ist die überdachte Haupttribüne zu sehen (Foto: Aerial Elde 2026).Der Volvo N84 wurde von 1965 bis 1972 gebaut. Zunächst hatte er einen Kühlergrill mit fünf quer angebrachten Rippen, gegen Ende der Bauzeit dann einen senkrecht gerippten Grill. Das auf dem Festival ausgestellte Fahrzeug erhielt im Dezember 1970 seine erste Zulassung.Bis 2006 baute Volvo zwar immer noch Haubenfahrzeuge, allerdings nicht mehr in Europa, sondern in Brasilien. Der abgebildete NH 12 war aus Malta nach Assen gekommen und hatte vermutlich die längste und komplizierteste Anreise hinter sich. Dem Fahrer gebührt Dank und Anerkennung für die Teilnahme am Truckstar Festival!Vierachser setzten sich in den Niederlanden lange Zeit vor anderen Nationen in Europa durch, abgesehen von Großbritannien, wo "Eightwheelers" eine noch viel längere Tradition haben. Der DAF 3600 ATi kam 1985 auf den Markt.Wie immer war den US-Trucks in Assen ein eigener Bereich vorbehalten. Nutzfahrzeuge aus den Vereinigten Staaten haben hier eine lange Tradition, denn aufgrund der fehlenden eigenen Großserienproduktion von Lkw wurden bereits lange vor dem Zweiten Weltkrieg viele Nutzfahrzeuge aus den USA importiert.Der legendäre Mack B-Type mit Feuerwehraufbau ist zweifellos eine echte Rarität in Europa. Wie gut, dass die Besucher des Truckstar Festivals das Schmuckstück aus dem Jahr 1954 im Original bestaunen konnten.Manche Kleinode der Lkw-Geschichte wurden gar nicht abgeladen, sondern mussten mit der Lupe zwischen Schwertransportern und Spezialfahrzeugen gesucht und gefunden werden. Der Dodge T aus den 1940er Jahren war einst ein weit verbreiteter Lkw – nicht nur in den USA.Eine wahre Schönheit aus den USA war der Mack MH 613 aus dem Jahr 1982. Mit seinem markanten Grill hob er sich deutlich von anderen amerikanischen Frontlenkern ab. Seit die Längenbeschränkungen für Lkw im ganzen Land sukzessive wegfielen, sind Frontlenker in den USA inzwischen weitgehend ausgestorben.Unter den US-Trucks befanden sich auch einige Militärfahrzeuge, darunter dieser International M 62 aus dem Jahr 1952. Er wurde von mehreren Firmen nahezu baugleich hergestellt.„Wir müssen leider draußen bleiben“, scheinen diese aufwendig gestalteten Scania-Sattelzugmaschinen leicht gekränkt zu brummeln. Da es an Stellplätzen innerhalb des Veranstaltungsgeländes mangelte, hatten sie keine Zulassung erhalten, am Festival teilzunehmen. Sie konnten aber am Rand des Besucherparkplatzes aufgestellt werden. Auch die niederländischen Streitkräfte waren mit einem Präsentationsbereich auf dem Truckstar-Festival vertreten. Unter anderem wurde dort der IDV MTV 4×4 ausgestellt. Bei den niederländischen Streitkräften trägt er den Namen „Manticore”. Das rund 13 Tonnen schwere Militärfahrzeug wird seit Ende 2023 in mehreren Varianten an die Streitkräfte ausgeliefert. Auf dem Foto ist die Hardtop-Ausführung zu sehen. IDV steht für Iveco Defence Vehicles, die frühere Militärfahrzeugsparte von IVECO.Hier ein weiteres Foto ohne Publikum: Youngtimer beim Truckstar-Festival 2026.
Von der Haupttribüne aus kann man samstags und sonntags jede Menge spektakuläre Aktionen mit Lastwagen erleben, vom Truck-Racing bis zum Dezibel-Wettbewerb, bei dem der Truck mit dem lautesten Auspuff ermittelt wird. Auf der Strecke folgt eine Darbietung auf die andere, und zwischendurch lockt der Flohmarkt die Besucher an: Man kann stöbern, plaudern oder etwas kaufen, das vorher nicht geplant war. Außerdem gibt es einen großen Rummelplatz mit Autoscooter, Break-Dance, Riesenrad, Kettenkarussell und vielen anderen Attraktionen für Groß und Klein.
Diese Luftaufnahme zeigt das gesamte Veranstaltungsgelände. Zu sehen sind auch die Rennstrecke mit den Tribünen sowie die überdachte Haupttribüne rechts am Bildrand (Foto: Aerial Elde 2026).Während der Veranstaltung am Samstag und Sonntag gab es ohne Unterbrechung verschiedene Darbietungen zu sehen. Dazu gehörten Lkw-Rennen, ein Auspufflärm-Wettbewerb, Autofußball, Truck Pulling, Lkw auf zwei Rädern und natürlich die Wahl des schönsten Lkw. Das Foto wurde am Samstagnachmittag aufgenommen. Leider ist unklar, welche Vorführung gerade stattfand.Einige Beispiele für das Drumherum beim Truckstar-Festival sind der Rummelplatz, das Fachbuchgeschäft von Willem Kuipers, verchromte Embleme und Schriftzüge sowie eine Tafel mit Mustern von LED-Zusatzleuchten des polnischen Anbieters Fristom. Herumlaufen, Fahrzeuge bestaunen, einen Imbiss zu sich nehmen oder mit alten und neuen Freunden angeregte Gespräche führen – das macht man auf dem Truckstar-Festival.Nach dem Verlassen der Veranstaltung aufgenommen: Der Volvo VT5 Aero entstand auf Basis eines Volvo FH 500 Aero und wurde von Vlastuin Truck- en Trailerservice aus dem niederländischen Renswoude zum Haubenwagen umgebaut.Auch in Dänemark sind Vlastuin-Umbauten beliebt. Bislang hat Vlastuin 116 Scania-Frontlenker der Next Generation in Haubenwagen verwandelt. Die meisten dieser Fahrzeuge wurden in den Niederlanden verkauft.Hier wird gerade dem hundertsten Vlastuin-Scania-Haubenwagen sein Platz zugewiesen. Der schick lackierte Scania 650 ST 6x2 wurde Ende 2025 fertiggestellt und dient Vlastuin als Vorführwagen.Alternative aus Norwegen: Dieser Scania S 660 wurde im Juli 2025 in den Niederlanden zugelassen. Er stammt nicht von Vlastuin, sondern sein Umbau zum Haubenwagen erfolgte nach dem Konzept von Tuft Custom aus dem norwegischen Bergen. Seit 2023 fertigt auch der niederländische Partner FKM in Rijnsburg solche Umbauten nach dem Design von Tuft. Die schmalere Motorhaube ermöglicht deutlich abgesetzte Kotflügel und unterscheidet sich damit klar vom Vlastuin-Style. Die Fotos laden zum Vergleichen ein – was gefällt dir besser?Auf dem Weg zum Festival: Dieser Iveco Strator der bisherigen Generation wurde 2014 als erster Strator mit Euro-6-Motor an das Unternehmen Arts Verhuur in Wijchen ausgeliefert. Der niederländische Iveco-Händler Charles Feijts Groep baute ihn in Born auf Basis eines Stralis-Frontlenkers zu einem Haubenwagen um. Das seit 2007 angebotene Strator-Konzept orientiert sich am australischen Iveco PowerStar.Weltpremiere auf dem Truckstar-Festival: Der neue Iveco Strator des Modelljahrs 2026 basiert auf dem aktuellen S-Way und wird im niederländischen Born gebaut. Seine völlig neu gestaltete Front entstand unter Mitwirkung des Spyker-Cars-Ingenieurs Jacco Hoogendoorn und von Arens Vehicle Design aus Belgien. Der moderne Haubenwagen ist kein Einzelstück, sondern kann in mehreren Motorisierungen und Achskonfigurationen bestellt werden.Der Iveco S-eWay basiert auf dem Nikola Tre, den Iveco und das US-Unternehmen Nikola seit Beginn ihrer Zusammenarbeit im Jahr 2019 entwickelt hatten. 2022 präsentierten die Partner die batterieelektrische Serienversion sowie einen Brennstoffzellen-Prototyp für Europa. Im Juni 2023 übernahm Iveco das Gemeinschaftsunternehmen und dessen Werk in Ulm vollständig. Im November desselben Jahres stellte der Hersteller den Batterie-Lkw als Iveco S-eWay vor. Seine neun Batterien verfügen zusammen über 738 kWh und ermöglichen eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern, so der Hersteller.Nein, das ist kein neuer DAF der nächsten Generation, sondern der Umbau eines XG+, der kaum zu übersehen ist. Den Omnius DAF Dominator kann man bei der Firma Go In Style aus dem niederländischen Nieuwegein in Auftrag geben. Der Preis beträgt knapp 20.000 Euro (netto) plus Lackierung. „Ein Truck mit Charakter, der sich abhebt, Stärke ausstrahlt und bis ins kleinste Detail perfekt verarbeitet ist. Keine Ansammlung einzelner Teile, sondern ein durchdachtes Gesamtdesign. Alle Karosserieteile fügen sich nahtlos zusammen und bilden gemeinsam eine kraftvolle Linie. Das Ergebnis ist ein sportlicher, aggressiver und moderner Look, der sofort ins Auge fällt“, so der Anbieter. Weitere Informationen gibt es unter go-in-style.nl.Gegen den DAF Dominator wirkt dieser mächtige Abschleppwagen fast schon normal. Der in Deutschland zugelassene Vierachser war auf dem Truckstar-Festival in der Kategorie „Wreckers” ausgestellt und zog dort die Blicke der Besucher auf sich.Mit einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern zählt der neue Volvo FH Aero Electric mit erweiterter Reichweite zur Spitze der batterieelektrischen Fernverkehrs-Lkw. Die Strecke von Göteborg nach Assen lässt sich damit rechnerisch mit nur einem Ladestopp bewältigen.
Und dann ist da noch der Samstagabend. Sobald es dunkel wird, verwandelt sich die gesamte TT-Strecke in etwas, das man nur in Assen sieht. Auf den kilometerlangen Asphaltstraßen entsteht ein endloses Meer aus Lichtern. An allen Lkw werden sämtliche Lampen angeschaltet. Überall leuchtet, blinkt und glitzert es. Wer sich das Gelände nach dem Sonnenuntergang ansieht, versteht sofort, warum der Samstagabend für so viele Besucher der kultigste Moment des Wochenendes ist. Der Jahrmarkt ist in vollem Gange und auf dem Musikplatz werden während des Musikabends die Hände in die Luft gestreckt.
Assen im abendlichen Lichterglanz von Tausenden von Trucks, die alles geben, um die Nacht zum Tag zu machen (Foto: Cojan van Toor 2026).Von weiter unten aus ist das Lichtspektakel detaillierter zu erkennen. Gut, dass es in den Niederlanden offenbar keinerlei Restriktionen in puncto Beleuchtung gibt. In manchen anderen europäischen Ländern ist bekanntlich nur erlaubt, was auch Vorschrift ist. Und tatsächlich hat es deshalb schon so manchen Ärger mit den Gesetzeshütern gegeben, der so weit gehen kann, dass die Weiterfahrt nur gestattet wird, wenn die beanstandeten Lämpchen abgeschraubt werden (Foto: Cojan van Toor 2026).
Ein weiterer Höhepunkt ist die Wahl des „schönsten Trucks der Niederlande“. Tausende Zuschauer verfolgen die Preisverleihung auf der riesigen Tribüne, die sonst der Beobachtung von Auto- und Motorradrennen dient. Der TT Circuit ist nämlich eine Rennbahn.
Bevor die Wahl beginnt, können die Festivalbesucher die 24 nominierten Fahrzeuge begutachten. Sie sind in der „Mooiste Truckstraat“, einer mit rot-weiß-blauen Fähnchen geschmückten Passage, aufgereiht. Bis zum letzten Moment sind die Eigentümer mit Putzen, Auffrischen und den letzten Details beschäftigt, denn auch der Pflegezustand der Trucks ist entscheidend.
Die Wahl findet seit Jahren unter den Lesern des Magazins Truckstar statt. Diese stimmen zahlreich für ihre Favoriten aus dem Truckstar-Foto-Jahrbuch, das alljährlich rechtzeitig erscheint und überall zu kaufen ist. Die 24 Lastwagen mit den meisten Stimmen erhalten eine Platzierung bei der Wahl und haben die Chance, die höchste Auszeichnung zu gewinnen. Am Samstag werden die Lkw unter die Lupe genommen. Eine Fachjury bewertet die Lastwagen innen und außen. Von der Kabine bis zum Fahrgestell und von der Stoßstange bis zu den Rücklichtern wird alles genauestens begutachtet. Die Bekanntgabe der Unterkategorien erfolgt am Sonntag um 10 Uhr.
In der mit rot-weiß-blauen Fähnchen geschmückten „Mooiste Truckstraat“ waren die Kandidaten für die Wahl des schönsten Trucks der Niederlande aufgestellt, um sich dem Publikum zu präsentieren. Besonders viele Menschen kamen, um die Fahrzeuge zu begutachten.Alle 24 für die Wahl vorgesehenen Lastzüge und Sattelzugmaschinen wurden dem Publikum in Dreier-Formation präsentiert. Die Haupttribüne war bis zum letzten Platz gefüllt, denn die Wahl des schönsten Trucks gehört traditionell zu den absoluten Höhepunkten des Truckstar-Festivals in Assen.Wir zeigen hier neun der 24 Kandidaten. Für alle gilt übrigens die wichtige Bedingung, dass die Fahrzeuge normalerweise im täglichen Betrieb unterwegs sein müssen. Reine Show-Trucks sind zur Wahl des schönsten Lastwagens der Niederlande nicht zugelassen.Der Sieger des Wettbewerbs war ein Scania R 660 6x2 aus dem Jahr 2025, der zum Fuhrpark der Firma G. & J. van Leeuwen aus Bruchem gehört und von Bart Wijne gefahren wird. Die ungewöhnlichen Aufbauten des Gliederzugs dienen dem Abtransport von Pferdemist, der anschließend unter anderem als Ausgangsstoff für Champignonkompost verwendet wird. Der Anhänger lässt sich kippen, während der Motorwagen mithilfe des Krans entladen werden kann. Die Fotos zeigen den Lastzug bei der Kandidatenaufstellung und nach der Verkündung der Erstplatzierung. Unten rechts ist der Fahrer mit Kollegen und Mitarbeiterinnen von Profile beim Empfang des begehrten Pokals zu sehen.
Die eigentliche Spannung folgt zwei Stunden später. Ab 12:00 Uhr fahren die Nominierten in einer Parade an der vollbesetzten Haupttribüne vorbei. Dann wird bekannt gegeben, welcher Lkw ein Jahr lang den Titel „Schönster Truck der Niederlande” tragen darf. Nur einer kann gewinnen. Die Wahl ist ein Höhepunkt, auf den die Teilnehmer monatelang hingearbeitet haben. Nicht nur wegen des Pokals, sondern vor allem wegen der Anerkennung. Jeder weiß, wie viele Stunden es dauert, bis ein Lastwagen so dasteht, wie der Besitzer es beabsichtigt hat.
Zum Abschluss unseres Assen-Reports 2026 zeigen wir Fotos, die nach dem Verlassen des Festivals an der A 28 aufgenommen wurden. Von den 2.300 Lastwagen, die dort entlangfuhren, um zu ihren Standorten zurückzukehren, haben wir ein Dutzend ausgesucht, das uns besonders sehenswert erscheint – obwohl es noch zahllose andere Fahrzeuge gab, die man hätte auswählen können. Wir beginnen mit diesem neunachsigen Schwertransport, der von einem Volvo FM der Generation von 2013 gezogen wird.Pferdestärken für Pferde: Dieser Scania 770 S V8 gehört John Parker International aus dem britischen Hythe. Der gemeinsam mit Gazeley Horseboxes entwickelte Gliederzug kann bis zu 19 Tiere befördern. Dank Luftfederung, Klimatisierung und Videoüberwachung sollen die wertvollen Passagiere eine möglichst komfortable Reise erleben.Aufwendige Airbrush-Lackierungen sind zwar etwas aus der Mode gekommen, doch es gibt noch immer ganz besondere Sattelzugmaschinen, die kunstvoll mit ausgefallenen Motiven dekoriert sind – hier sogar mit passendem Kühlauflieger.Der 1997 vorgestellte DAF 95 XF war der Nachfolger des DAF 95, dessen gemeinsam mit Pegaso entwickeltes Fahrerhaus 1987 eingeführt wurde. In mehrfach überarbeiteter Form blieb dessen Grundkonstruktion bis zur Erneuerung des XF im Jahr 2017 erhalten. Erst die 2021 vorgestellte neue Generation brachte ein vollständig neu entwickeltes Fahrerhaus.Alles dabei, was man auf einem Festival und anderswo gebrauchen kann, einschließlich Aufenthaltscontainer und Pkw: Ein Mercedes-Benz Arocs des bekannten niederländischen Schwertransport- und Kranunternehmens Mammoet bringt die Ausrüstung eines Liebherr-Mobilkrans vom Festival nach Hause.Der als Cassius Clay geborene Muhammad Ali gilt als einer der bedeutendsten Schwergewichtsboxer und Sportler des 20. Jahrhunderts. Ihm widmete das Schweizer Transportunternehmen Müller Ermensee diesen 2017 zugelassenen Scania S580 V8 mit passend gestaltetem Kühlauflieger. Beim Truckstar-Festival desselben Jahres gewann der Sattelzug den Preis für die beste Speziallackierung und wurde außerdem als „Best of Show“ ausgezeichnet.Über das Erscheinungsbild des International LoneStar scheiden sich die Geister: Die einen halten ihn für wunderschön, die anderen finden die Verbindung aus aerodynamischen Formen und üppigem Chrom maßlos übertrieben. Dieses 2011 gebaute Exemplar mit 503 PS kam im Jahr 2021 in die Niederlande. In Europa ist der für den nordamerikanischen Markt entwickelte LoneStar eine seltene Erscheinung.Weiter oben in diesem Bericht haben wir bereits das auf einem Mack B basierende Feuerwehrfahrzeug kennengelernt. Hier wird der Veteran aus dem Jahr 1954 standesgemäß von einem weiteren Mack nach Hause gebracht. Bei der Zugmaschine handelt es sich um einen Mack RW 613 Super-Liner aus dem Jahr 1990 mit einem 16,4-Liter-V8-Motor und 490 PS.Eine Vorschau auf das später ProCabin genannte Fahrerhaus zeigte Mercedes-Benz 2022 auf der IAA. Sein deutlich von der Masse abweichendes Erscheinungsbild erregte zunächst die Gemüter, doch inzwischen gehört die neue Kabine bereits zum europäischen Straßenbild. Als vierachsige Schwerlastzugmaschine, hier in den Farben von Van Grinsven, ist der neue Actros L allerdings noch selten zu sehen.Nur wenige Teilnehmer des Truckstar-Festivals kamen aus Polen, doch dieser Scania 520S V8 von Baca Transport aus Tczew war kaum zu übersehen. Seine aufwendige Airbrushgestaltung zitiert Szenen und Figuren aus „Sami swoi“, einer polnischen Kultkomödie von 1967. Kurz vor dem Auftritt in Assen hatte der Sattelzug bei der Master Truck Show in Polen den Gesamtsieg sowie die Preise für die beste Lackierung und den besten Innenraum errungen.Longline auf niederländische Art: Dieser Scania von Hoitink Transport wurde im Jahr 2000 als T144G 460 mit 14-Liter-V8 gebaut. Etwa zehn Jahre später ließ der Eigentümer den Radstand auf sechs Meter verlängern und das Fahrerhaus zu einem riesigen Sleeper ausbauen; dadurch wuchs die Zugmaschine auf rund 8,30 Meter. Ende 2023 modernisierte Van der Heijden Truckstyling den Hauber unter anderem mit einer Front im Stil der jüngeren R-Serie Streamline. Mit dem seltenen Scania Longline, der 2002 als Studie eXc vorgestellt und von 2003 bis Anfang 2005 angeboten wurde, ist dieser Einzelumbau technisch nicht verwandt. Aktuell erlebt die Idee jedoch ein überraschendes Comeback: Seit April 2026 nimmt Scania wieder Bestellungen für werkseitig gefertigte Longline-Frontlenker entgegen, deren Fahrerhäuser je nach Ausführung 80 oder 110 Zentimeter länger sind als die reguläre S-Kabine.
Am Sonntagnachmittag ab etwa 16:00 Uhr folgt der sogenannte Exodus: Alle teilnehmenden Lastwagen verlassen das Veranstaltungsgelände, um über die nahegelegene Autobahn A 28 in ihre Heimatorte zurückzufahren. Auch dieser Moment wird von vielen Menschen herbeigesehnt. Zu Tausenden stehen die Zuschauer an den Straßen, viele haben sich Klappstühle mitgebracht. Sie wollen dem Exodus vom ersten bis zum letzten Fahrzeug beiwohnen, Fotos machen oder den Fahrern zuwinken, die sich mit einem Hupkonzert revanchieren. Einige der Zuschauer haben das Festival selbst gar nicht besucht, sondern sind nur gekommen, um die vielen tollen Fahrzeuge bei der Abfahrt zu bestaunen.
Zum Abschluss dieses Berichts soll die Leistung des Truckstar-Teams gewürdigt werden. Es ist absolut bewundernswert, wie reibungslos das Festival abläuft. Etwa 2.300 teilnehmende Fahrzeuge werden am Freitag bei der Ankunft und am Sonntag bei der Abreise ohne nennenswerte Staus zum Ort der Aufstellung dirigiert und am Ende wieder herausgeführt. Fast 60.000 Zuschauer müssen eingelassen, koordiniert und versorgt werden. Allein die Verwaltung der Parkplätze für Pkw und die Regelung des Verkehrs auf den Zufahrtsstraßen sind enorme Aufgaben. Hinzu kommen die wochenlangen Vorbereitungen in der Truckstar-Redaktion und vor Ort. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass das Redaktionsteam die gesamte Organisation ohne externe Veranstaltungsagentur durchzieht und dabei von Montag bis Montag voll und ganz im Einsatz ist. Alle Hilfskräfte zusammengezählt sind etwa 200 Menschen mit der Bewältigung all der unterschiedlichen Aufgaben beschäftigt. Ihnen allen gebührt ein riesiges Dankeschön – das Festival hat großen Spaß gemacht. Ganz bestimmt freuen sich alle Teilnehmer und Zuschauer schon auf das nächste Jahr.
Text und Fotos (bis auf die Luftaufnahmen): Steve St.Schmidt