Die Borgward-Chronik mit Hansa-Lloyd ab 1931, Goliath und Lloyd
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Von Christoph Büch und Steve St.Schmidt (2026)
Borgward in den frühen 1950er Jahren
Die Nomenklatur der Borgward-Lastwagen der frühen 1950er Jahre orientierte sich an der Nutzlast. So erklären sich die Bezeichnungen wie zum Beispiel B 1250, B 2000, B 4000 und B 4500.
In den Jahren 1949 und 1950 fanden Nutzlaststeigerungen bei den beiden Nachkriegsmodellen statt. Aus dem Eintonner B 1000 wurde 1949 der 1,25-Tonner B 1250. Er erhielt zudem eine zwillingsbereifte Hinterachse. Im Jahr darauf wuchs der Dreitonner B 3000 zum B 4000 mit vier Tonnen Nutzlast heran. Er wurde bis 1961 gebaut, ab 1957 mit verbessertem Innenraum des Fahrerhauses. Auch vom B 4000 gab es ein spezielles Tiefrahmen-Chassis (BO 4000) für Bus-Aufbauten. 1959 erhielt der B 4000 die neue Typenbezeichnung B 544. Zusätzlich war der B 533 als abgelastete Version des B 544 mit geringerer Nutzlast im Angebot, um unter 7,5 Tonnen Gesamtgewicht zu bleiben. Folglich konnte er mit der deutschen Führerscheinklasse 3 gefahren werden. Die letzte Ausführung der Typen B 533 und B 544 von 1960 war mit Blinkern auf den vorderen Kotflügeln ausgestattet.
Wir beginnen die Borgward-Chronik der 1950er Jahre mit zwei Pkw-Varianten, denn das Nutzfahrzeug-Programm umfasste nicht nur Lastwagen. Das erste Bild zeigt das Modell Hansa 1500 als Lieferfahrzeug mit 360 Kilo Nutzlast. Als Pkw wurde der Hansa 1500 im Jahr 1949 auf dem Genfer Automobilsalon als erste Borgward-Neuschöpfung nach dem Krieg vorgestellt und erntete Bewunderung wegen seiner modernen Ponton-Karosserie. Bald darauf war er auch als Geschäftswagen erhältlich, eine Variante des Kombi. Das Modell wurde 1952 vom Hansa 1800 abgelöst.Der Isabella war der bekannteste Borgward-Pkw überhaupt und wurde von 1954 bis 1961 mehr als 200.000 Mal verkauft. Sein Erfolg trug maßgeblich dazu bei, dass Borgward zum viertgrößten deutschen Pkw-Hersteller aufstieg. Ab Mai 1955 gab es den Isabella, der mit einem 60-PS-Motor ausgestattet war, auch als Kombi. Das Foto zeigt einen Spezialaufbau als Krankenwagen, der von der Firma Miesen aus Bonn karossiert wurde.Kommen wir zu den Lastwagen der 1950er Jahre: Den B 1250 gab es von 1949 bis 1952. Die erste Ausführung hatte noch die alte Motorhaube mit senkrechten Schlitzen in den Seitenteilen und einen Grill mit 12 waagerechten Schlitzen. Der kleine Lastwagen hatte einen 48-PS-Benzinmotor und eine Nutzlast von 1,25 Tonnen. Das Foto zeigt die Ausführung von 1950, die sich durch verchromte Radkappen und Scheinwerferringe sowie Aluminiumstreifen an der Stoßstange von der ersten Ausführung abhob.Ende 1950 erhielt der B 1250 eine neue Motorhaube mit abgerundeter Kühlermaske und der für Borgward typischen Gestaltung der Hauben-Seitenteile.Der Borgward B 1250 war auch als Fahrgestell erhältlich, das sich für Sonderaufbauten eignete. Ein Beispiel ist dieser von Pollmann karossierte Kleinbus für 14 Fahrgäste.Als Ablösung für den Dreitonner B 3000 stellte Borgward im September 1950 den "4 To Diesel-Lastwagen" vor, der schon bald die Typenbezeichnung B 4000 erhielt. Ab 1957 gab es zwei Ausführungen – als 3,5-Tonner mit der Reifengröße 7.50-20 und als Viertonner mit der Größe 8.25-20. Im Jahr 1959 erhielten die zwei Varianten die Typenbezeichnungen B 533 und B 544.Der B 4000 war ursprünglich mit dem 78-PS-Motor des Vorgängermodells B 3000 ausgerüstet. Durch einen zusätzlichen Luftfilter und eine höhere Drehzahl hatte man die Leistung auf 85 PS erhöht. Im Jahr 1952 wurde die Motorleistung um weitere 10 PS auf 95 PS gesteigert. 1957 erhielt der B 4000 schließlich den neuen 110-PS-Motor des B 4500.Die Abbildung zeigt den B 4000 aus dem Jahr 1953 mit einem seltenen Aufbau, der sich Scheren-Hochkipper nannte. Der Hersteller war die Firma Toussaint & Hess (Teha) aus Düsseldorf.Dieses Foto stammt aus Dänemark. Dort hatte man den Tankwagen mit einem landestypischen Fahrerhaus versehen, das geräumiger war als das Original des Borgward B 4000.In der Türkei war es üblich, Lastwagen mit Schleppachsen zu versehen, um die Nutzlast zu steigern. So war es auch diesem Borgward B 4000 ergangen, den Michael Haeder im Jahr 1988 entdeckte.Da Borgward einige seiner Nutzfahrzeuge auch mit Niederrahmen-Fahrgestell anbot, lag es nahe, diese für Omnibus-Aufbauten zu verwenden. So auch beim B 4000, der von verschiedenen Spezialisten für teilweise sehr aufwendig gestaltete Bus-Karosserien im Stil der 1950er-Jahre genutzt wurde. Wir zeigen hier eine kleine Fotostrecke mit ganz unterschiedlichen Bussen auf B-4000-Basis. Den Anfang macht ein von der Firma Puppe in Arnsberg-Hüsten karossiertes Exemplar. Das Familienunternehmen existiert in dritter Generation noch heute in Arnsberg und hat sich auf Anhänger, Ladebordwände und Nutzfahrzeugaufbauten spezialisiert.Ein weiterer Bus auf Basis des B 4000, dessen Aufbauhersteller uns leider nicht bekannt ist. Wer dazu etwas weiß, möge sich per E-Mail melden.Hier ist wieder alles klar: Dieses Schmuckstück stammt von den Gebrüdern Ludewig aus Essen-Altenessen. Der auf Basis eines Borgward B 4000 gebaute Bus war auch im Inneren aufwendig gestaltet: Es gab Sitze in Vis-à-vis-Anordnung und dazwischen Tische.Dieses Niederrahmenfahrgestell wurde um 1952 von Steib aus Eiserfeld-Sieg als Omnibus karossiert. Bemerkenswert sind die gebogenen Frontscheiben, die damals eine technische Neuheit darstellten, da es lange Zeit nicht möglich war, Glas zu biegen. Rundungen konnten nur aus Plexiglas hergestellt werden, das jedoch nicht kratzfest war und sich deshalb nicht für Frontscheiben eignete. Deshalb verwendete man geteilte Scheiben, wie bei dem weiter oben gezeigten Bus mit Puppe-Karosserie.Hier ist ein weiterer Bus auf Borgward-Fahrgestell zu sehen, bei dem der Aufbauhersteller nicht bekannt ist. Interessant ist das mittig erhöhte Dach, das vermutlich dazu dient, eine Stehhöhe zu erzeugen, die auch hochgewachsenen Personen den aufrechten Gang ermöglicht.Dieser Borgward B 4000 war auf der Insel Sylt im Einsatz. Das Foto wurde uns von dem in Nutzfahrzeug-Oldtimerkreisen bekannten Sylter Urgestein Karsten Puck zur Verfügung gestellt. Leider ist der ehemalige Busfahrer im Jahr 2025 verstorben.Wir kehren zu den Lastwagen zurück. Die Aufnahme zeigt das Lkw-Produktionsspektrum von Borgward aus dem Jahr 1951: Links ist der B 4000 mit Dieselmotor zu sehen, in der Mitte der B 2000, ebenfalls mit Dieselmotor, und rechts der B 1250, der nur mit dem Benzinmotor des Personenwagens Hansa 1500 lieferbar war.
Weitere Modelle kamen hinzu: Von 1951 bis 1959 gab es den 2- bis 2,5-Tonner B 2000, um die Lücke zwischen dem leichten und dem mittelschweren Modell auszufüllen.1952 steigerte sich die Nutzlast des B 1250 um eine weitere Vierteltonne und der B 1500 war geboren. Es gab ihn bis 1960, wobei sich 1954 das Erscheinungsbild änderte: Ein breiteres Fahrerhaus und eine neue Motorhaube, ähnlich dem Opel Blitz (auch „Weichblitz” genannt) und dem Hanomag L 28, verliehen dem Fahrzeug ein modernes Aussehen, das sich an amerikanischen Vorbildern orientierte. Seine Typenbezeichnung änderte sich 1959 in B 511. Die neuen Typenbezeichnungen von 1959 kennzeichneten die verschiedenen Baumuster, wobei die erste Ziffer sich auf die Bauform bezog: die 5 stand für Haubenwagen, die 6 für Frontlenker.
Der Zwei- bis Zweieinhalbtonner B 2000 kam im Herbst 1951 auf den Markt und blieb bis 1959 im Borward-Programm. Er füllte die Lücke zwischen dem leichten Modell B 1250 und dem mittelschweren Modell B 4000. Er war mit einem eigens für diese Nutzlastklasse entwickelten Motor mit 3.308 Kubikzentimetern Hubraum und einer Leistung von 60 PS ausgerüstet. Auf Wunsch war er später auch mit dem 2337 Kubikzentimeter großen Benzinmotor des Personenwagens Hansa 2400 mit 82 PS erhältlich. Im Jahr 1958 kam ein neuer Dieselmotor mit 3.331 Kubikzentimetern Hubraum und 70 PS zum Einbau.Diese Aufnahme wirkt wie aus einem surrealistischen Film: Ein Borgward B 2000 auf einer Baustelle irgendwo im Rheinland. Während der Fahrer scheinbar etwas auf die Ladefläche hievt, blickt eine weitere Person mit bemerkenswerter Kleidung lachend in die Kamera. Der Hergang dieser Begebenheit ist nicht mehr zu klären. Der Feuerwehraufbau LF 8 mit Mitteneinbaupumpe auf einem Borgward B-2000-Fahrgestell stammte von der 1842 in Heidelberg gegründeten Feuerwehrgerätefabrik Carl Metz. 1905 übernahmen die Gebrüder Bachert das Unternehmen und verlagerten es nach Karlsruhe (Feuerwehrgerätefabrik Metz & Co.). 1956 fusionierte Metz mit Kaelble (Villingen) zur Kaelble-Metz AG. Im Jahr 1998 wurde die Feuerwehrsparte an die Firma Rosenbauer verkauft, die bis heute Hubrettungsfahrzeuge in Karlsruhe produziert.1952 erschien der Borgward Anderthalbtonner B 1500 als Nachfolger des B 1250. Zunächst glich er im Erscheinungsbild seinem Vorgänger, aber 1954 erhielt er ein komplett anderes Fahrerhaus und eine neu geschaffene Motorhabe.Zwei Jahre lang, von 1952 bis 1954, kam der Borgward B 2000 noch im typischen Borgward-Design daher. Dann erfuhr er einen Modernisierungsschub, während alle anderen Borgward-Lastwagen das bisherige Erscheinungsbild beibehielten.Zunächst gab es verschiedene Prototypen des neuen Borgward B 1500, die entweder dem Hanomag L 28 ähnelten oder, wie das Fahrzeug auf dem Foto, dem Opel-Blitz zum Verwechseln ähnlich waren. Am Ende wurde eine Motorhaube nach US-amerikanischem Vorbild entwickelt, die nicht mehr ganz so stark als Plagiat von Hanomag oder Opel angesehen werden konnte.Von 1952 bis 1960 gab es schließlich das endgültige Modell des B 1500. Wie alle anderen Borgward-Nutzfahrzeuge erhielt es 1959 eine neue Modellbezeichnung: B 511.Ein Prospekt aus dem Jahr 1955 bewirbt den Anderthalbtonner, der zunächst noch auf die Modellbezeichnung B 1500 warten musste. Den kleinen Lastwagen gab es zunächst mit einem Vierzylinder-Benzin- oder Dieselmotor, der auch den Pkw Borgward Hansa 1800 antrieb. Im September 1954 wurde der Benzinmotor durch den neuen Isabella-Motor ersetzt. Die Leistung all dieser Motoren betrug 60 PS.Dieses Foto könnte man einfach „Doppelkabine grundiert” betiteln, denn es ist nicht bekannt, welchem Einsatzgebiet dieser B 1500 nach seiner Fertigstellung zugedacht war.Das Einsatzgebiet dieses Kofferwagens mit Kühlaggregat war die Schweizer Stadt Basel. Der Aufbau stammte von Franger Frigor, einem italienischen Hersteller von Aufbauten für Kühlfahrzeuge. Das Unternehmen wurde 1945 in Padua (Venetien) gegründet und ist noch heute aktiv.Dass der B 1500 als Pick-up in den USA zum Verkaufsschlager wurde, ist zu bezweifeln.An Eleganz nur schwer zu überbieten ist nicht nur die Lackierung dieses B 1500, sondern auch die dynamische Form des Kastenwagen-Aufbaus. Leider ist nicht bekannt, welche Firma das Schmuckstück karossiert hat.