Die Borgward-Chronik mit Hansa-Lloyd ab 1931, Goliath und Lloyd
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Von Christoph Büch und Steve St.Schmidt (2026)
Borgward im Zweiten Weltkrieg
Am 23. September 1938 weihte Borgward das neue Werk in Bremen-Sebaldsbrück ein. Seit diesem Tag firmierte das Unternehmen unter dem Namen Carl F.W. Borgward, der Name Hansa-Lloyd war endgültig Geschichte. Im Zuge der verstärkten Aufrüstung regulierte die nationalsozialistische Regierung die Produktion aller deutscher Fahrzeughersteller. Borgward wurde angewiesen, sich auf die Herstellung von Lastwagen mit Nutzlasten von ein bis drei Tonnen zu beschränken.







Im Ein-Tonnen-Nutzlastbereich produzierte Borgward das Modell B 1000 mit einem 1,4-Liter-Benzinmotor und 33 PS. Das Fahrzeug wurde zunächst von 1938 bis 1943 gebaut. Dazu kam von 1937 bis 1939 das Modell L 2000 S als Anderthalbtonner mit einem 47 PS starken Benzinmotor und zwei Litern Hubraum. 1939 avancierte es zum L 2300 mit 55 PS und 2,3 Litern Hubraum und lief bis 1942 vom Band. Der Dreitonner „Borgward 3 t“ wurde ab 1938 mit einem Sechszylinder-Motor als Benziner (Borgward B 3000 S/O) und ab 1939 als Diesel (Borgward B 3000 S/D) gebaut. Nach Einstellung der Produktion aller Hansa-Lloyd-Lastwagen war der Borgward Dreitonner der schwerste in Bremen produzierte Lkw. Ab 1939 gab es auf Verlangen des Reichsverkehrsministeriums auch eine Ausführung mit Imbert-Holzvergaser. Ab 1940 waren die Türen vorne angeschlagen. Das Produktionsende der Benzinversion war 1942, die Dieselversion wurde noch bis 1943 gebaut. Von 1942 bis Oktober 1944 produzierte Borgward auch eine Allradversion des Dreitonners mit der Typenbezeichnung B 3000 A im Werk Sebaldsbrück bis zur Zerstörung der Fabrikanlagen durch alliierte Bomber.

Ein innovatives wehrtechnisches Projekt realisierte Borgward mit dem Minenräumer IV. Der ab 1942 gebaute, bedingt fernlenkbare und kettenbetriebene Sprengstoffträger war eine Neuheit, wenn auch ähnliche Erfindungen bereits zuvor in Frankreich getestet worden waren. Das Fahrzeug war mit einer hochmodernen Funkfernsteuerung ausgestattet und konnte Sprengladungen kontrolliert zur Detonation bringen. Sobald der kleine Panzer das Zielgebiet erreicht hatte, stieg der Fahrer aus und zog sich zurück. Dies war der gefährlichste Vorgang für ihn, denn er war nun nahezu schutzlos dem Feindfeuer ausgesetzt. Anschließend wurde das Fahrzeug per Funk an den Bestimmungsort herangefahren. Dort löste man die Sprengladung aus der Ferne aus und steuerte das Fahrzeug wieder aus dem Gefahren- bzw. Explosionsbereich hinaus. Mit annähernd tausend gefertigten Einheiten war der Minenräumer IV ein markanter Meilenstein im militärischen Robotikbereich seiner Zeit.
Bereits ab 1926 hatte der Hansa-Lloyd-Ingenieur Heinrich Ernst Kniepkamp eine Halbkettenzugmaschine (genannt „leichter Zugkraftwagen mit drei Tonnen Anhängelast“) für die Reichswehr entwickelt, die zunächst mit einem Sechszylinder-Motor von Hansa Lloyd und später mit einem Motor von Maybach ausgerüstet war. Das Fahrzeug erhielt 1937 die Bezeichnung Sonder-Kraftfahrzeug 11, kurz Sd.Kfz 11. Bei Hansa-Lloyd bzw. Borgward entstanden rund 500 Fahrzeuge dieses Typs. Später stellten es auch die Adlerwerke in Frankfurt am Main, die Auto Union AG in Zwickau und Škoda in Pilsen her. Ab 1937 musste Borgward außerdem die von Krauss-Maffei entwickelte Acht-Tonnen-Halbkettenzugmaschine Sd.Kfz. 7 (mittlerer Zugkraftwagen) produzieren. Das Fahrzeug wurde auch bei Krauss-Maffei in München-Allach, bei Saurer in Wien und in geringer Stückzahl bei Krupp in Essen gebaut, nachdem Büssing und Daimler-Benz als Hersteller ausgeschieden waren. Bis 1945 lag die Produktionszahl des Sd.Kfz 7 allein bei Borgward bei 5496 Fahrzeugen dieses Typs und selbst im Februar 1945 verließen noch 53 Exemplare das Werk. Insgesamt 4.785 Arbeiter, darunter 65 Prozent Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, bauten diese massiven Halbkettenzugmaschinen. Ab August 1944 mussten zudem etwa eintausend Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme bei der Produktion schuften. Im Oktober legte ein schwerer Luftangriff 75 Prozent der Produktion lahm, doch auch danach wurde unbeirrbar weitergearbeitet.


