Die Borgward-Chronik mit Hansa-Lloyd ab 1931, Goliath und Lloyd

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Von Christoph Büch und Steve St.Schmidt (2026)

Goliath in den 1950er Jahren

Im Oktober 1944 wurde das Goliath-Werk in Bremen-Hastedt durch alliierte Bombenangriffe weitgehend zerstört. Die Fabrik, die vor dem Krieg Dreiradtransporter, Kleinwagen und Nutzfahrzeuge herstellte, produzierte während des Kriegs ausschließlich Rüstungsgüter wie Halbkettenfahrzeuge, Torpedos und Munition. Doch schon wenige Monate nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Zunächst wurden Handwagen und Fahrradanhänger angefertigt.

Im September 1949 wurde die Goliath-Werk GmbH als eigenständige Tochterfirma der Borgward-Gruppe gegründet. Das Stammkapital von 100.000 DM brachte zur Hälfte Carl F. W. Borgward auf, 40.000 DM gehörten seiner Ehefrau Elisabeth und 10.000 DM steuerte Friedrich Kynast bei, ein wichtiger Konstrukteur bei Borgward, der sich 1924 maßgeblich an der Entwicklung des ersten Dreirad-Lieferwagens beteiligt hatte. Nach dessen Tod 1950 übernahm Borgward seinen Anteil von den Erben.

Mit dem richtigen Gespür für den Kundenbedarf stellte Borgward im Jahr 1949 den Goliath GD 750 vor, einen Dreirad-Lieferwagen. Er war eine Weiterentwicklung des Vorkriegsmodells FW 400, verfügte über ein verbessertes Fahrerhaus, einen 14-PS-Zweitaktmotor und eine Nutzlast von 750 kg. Dieses leichte Nutzfahrzeug zum Preis von zunächst 3425,00 DM wurde bald zu einem wichtigen Helfer beim deutschen Wiederaufbau.

Nicht nur die ersten Goliath-Nachkriegs-Personenwagen vom Typ GP 700, sondern im Vordergrund vor allem die Dreirad-Lieferwagen GD 750 kamen aus dem nicht ganz mittig angeordneten Mittelpunkt dieser Anzeige von 1950 herausgefahren.
Insgesamt wurden mehr als 30.000 Goliath-Dreirad-Lieferwagen des Typs GD 750 verkauft. Gemeinsam mit den „Tempo“-Dreirädern der Firma Vidal aus Hamburg stellten sie eine preiswerte Transportmöglichkeit für unzählige kleinere Gewerbetreibende im Deutschland der Nachkriegsjahre dar.
Der GD 750 wurde von 1949 bis 1955 im Goliath-Werk in Bremen produziert. Der Kaufpreis für einen Pritschenwagen lag bei 3600 Mark, also umgerechnet weniger als 2000 Euro.
Der Borgward-Konzern betrieb auch Exportgeschäfte. Kein Wunder also, dass auch Fahrzeuge der Marke Goliath in andere Länder verkauft wurden – wie dieser Dreiradtransporter, der in Schweden im Einsatz war.
Ein GD 750 konnte eine Dreivierteltonne befördern. Ein Prospekt aus dem Jahr 1952 zeigt, wie drei Räder beim Geldverdienen helfen können – ohne harte Arbeit geht es jedoch nicht.
Auch als "Woodie" erhältlich: Goliath GD 750 mit Holzwänden, das Dach war aber aus Stahlblech
Es gab auch eine Version als Kastenwagen mit integriertem Aufbau. Hier sind noch ein paar technische Daten: Der GD 750 hatte einen wassergekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 396 Kubikzentimetern Hubraum, der 13 bis 14,5 PS leistete (die Angaben variieren). Die Höchstgeschwindigkeit betrug 55 Stundenkilometer. Der Antrieb erfolgte mittels Kardanwelle auf die Hinterachse (im Gegensatz zu den frontgetriebenen „Tempo“-Dreirädern). Gegen einen Aufpreis von 75 DM war außerdem ein luftgekühlter 16-PS-Motor mit 494 Kubikzentimetern Hubraum erhältlich. Die Motoren waren hinter dem Vorderrad eingebaut.

Der GD 750 wurde bis 1955 produziert, dann folgte das „Goli“-Dreirad mit einem größeren, aerodynamisch geformten Ganzstahl-Fahrerhaus und einem stärkeren Motor. Es gab Pritschen- und Kofferaufbauten, Chassis für Sonderaufbauten sowie eine besonders elegante Version als Kastenwagen.

Viel "schöner" als der GD 750 kam ab 1955 der "Goli" daher. Seine aerodynamische Frontgestaltung machte ihn zum modernen Dreiradtransporter der 1950er Jahre.
Nicht nur Haube und Fahrerhaus des Goli waren neu gestaltet, auch die Stahlpritsche und deren Unterbau machten einen modernen Eindruck.
Der Goli als Kofferwagen
Auch im Innenraum setzten sich die fließenden Formen des Goli fort.
Besonders schick war der Goli als integrierter Kastenwagen. Trotz seiner harmonischen Form hatte der Goli jedoch keine Zukunft, denn die Verkäufe aller deutschen Dreirad-Lieferwagen waren ab1957 rückläufig. Der wirtschaftliche Aufschwung machte sich bemerkbar, man bevorzugte nun Autos mit vier Rädern, auch wenn sie teurer waren. Als letzter Dreiradtransporter wurde der Goli noch bis 1961 angeboten, dem Jahr, in dem der Borgward-Konzern aufhörte zu existieren.

Außerdem bot Borgward von 1951 bis 1953 den Goliath-Vierradwagen GV 800 mit einer Nutzlast von 0,8 Tonnen an. Er war mit Frontantrieb und einem 16-PS-Zweitaktmotor ausgestattet. Das Modell Goliath Express folgte 1953 und wurde bis 1957 produziert. Es hatte ein geräumiges Ganzstahl-Fahrerhaus. Es gab verschiedene Versionen, vom Pritschenwagen bis zum Kleinbus, sowie eine Version mit geschlossenem Aufbau. Die Vorderräder trieb ein 40-PS-Zweitaktmotor an. Nachfolger war der Goliath Express 1100, der von 1957 bis 1961 produziert wurde. Die Karosserie blieb unverändert, die Nutzlast stieg jedoch auf 1.000 kg und der Zweitaktmotor wich einem Viertakt-Boxermotor mit 40 PS. Ab 1960 wurde er als „Borgward Express 1100” vermarktet.

Im Jahr 1951 brachte Goliath den ersten Vierrad-Lieferwagen der Nachkriegszeit auf den Markt. Der kleine Lieferwagen mit den treuen Augen nannte sich GV 800, denn seine Nutzlast lag bei 0,8 Tonnen. Sein 16-PS-Motor mit 465 Kubikzentimetern Hubraum war hinter der Vorderachse zwischen den Trägern des Fahrgestells eingebaut und trieb die Hinterachse an.
Nach einem Jahr Produktionszeit des GV 800, in dem sich der 16-PS-Motor als zu schwach erwiesen hatte, rüstete man auf. Ein größerer Motor mit 586 Kubikzentimetern Hubraum und 21 PS Leistung kam nun zum Einbau und die Typenbezeichnung änderte sich in GV 800 A.
Mit großen Erwartungen ging man 1951 ans Werk und baute den Goliath GV 800 zusammen. Doch das Projekt wurde kein großer Erfolg: In den rund zweieinhalb Jahren seiner Produktionszeit wurde der Wagen inklusive des GV 800 A nur 4016 Mal verkauft. 
GV 800 mit Stabholz-Koffer, der bei einem externen Karosseriebaubetrieb in Auftrag gegeben wurde.
Anlässlich der 37. Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main Ende September 1955 stellte Borgward in der Bremer Innenstadt eine öffentliche Telefonanlage mit fünf Apparaten zur Verfügung. Über diesen kostenlosen Service konnte sich das interessierte Publikum über das Fahrzeugprogramm und die Motoren von Goliath informieren.
1953 erschien der Nachfolger des Frontlenkers GV 800. Er nannte sich Goliath Express, wobei er mit den Vorkriegs-Modellen gleichen Namens nichts gemeinsam hatte. Den Kleinbus auf dem Foto hatte man nach England exportiert, wo er im Dienst der Thames Welding Company stand. Das Foto ist von Bill Godwin und stammt aus der Sammlung von Michael Haeder.
Sunil gehörte 1955 neben Omo zu den ersten vollsynthetischen Waschmitteln, die in Europa auf den Markt kamen. Der Hersteller war damals der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern Unilever. In Deutschland waren zur Auslieferung von Unilever-Produkten eine ganze Flotte werbewirksamer Lieferwagen vom Typ Goliath Express im Einsatz, die wie Waschmittelpackungen gestaltet waren. Nicht überliefert ist der Anlass für die Fahrzeugpräsentation auf dem Foto.
Im Juni 1957 stellte Goliath mit dem Express 1100 das Nachfolgemodell des Express vor. Die Karosserie wurde unverändert vom Vorgängermodell übernommen, jedoch wurde der bisherige Zweitakter durch einen neuen Viertakt-Boxermotor ersetzt. Dieser Motor diente auch dem Pkw Goliath GP 1100 als Antrieb, der ebenfalls 1957 auf den Markt kam. Der wassergekühlte Motor leistete 40 PS und ähnelte dem luftgekühlten Motor des VW Käfers. Auf dem Foto ist ein anspruchsvoll beladener Goliath Express 1100 der Firma Krönlein aus Schweinfurt zu sehen, die noch heute aktiv ist (www.kroenlein.de).
Eine Prospektillustration zeigt die zwischen 1957 und 1961 erhältlichen Varianten des Goliath Express 1100.