Die Borgward-Chronik mit Hansa-Lloyd ab 1931, Goliath und Lloyd
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Von Christoph Büch und Steve St.Schmidt (2026)

Die Borgward-Chronik auf truckinfocus.com enthält zehn Seiten mit mehr als 180 Abbildungen. Du kannst dir alles von Seite zu Seite nacheinander anschauen oder du gehst direkt zum Thema deiner Wahl – einfach einen Seitentitel anklicken - wir wünschen gute Unterhaltung!
Seite 01 – Borgward in den 1920er Jahren
Seite 02 – Goliath in den 1930er Jahren
Seite 03 – Hansa-Lloyd in den 1930er Jahren
Seite 04 – Borgward im Zweiten Weltkrieg
Seite 05 – Borgward nach 1945
Seite 06 – Goliath in den 1950er Jahren
Seite 07 – Lloyd in den 1950er Jahren
Seite 08 – Borgward in den frühen 1950er Jahren
Seite 09 – Borgward in den späten 1950er Jahren
Seite 10 – Glanzzeit und Untergang
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Borgward in den 1920er Jahren
Carl Friedrich Wilhelm Borgward erblickte am 10. November 1890 in Hamburg-Altona als Sohn eines Kohlenhändlers das Licht der Welt. Mit 16 Jahren absolvierte er eine Schlosserlehre und bildete sich weiter zum Ingenieur. Der Erste Weltkrieg unterbrach seinen Werdegang und als Soldat wurde er an der Westfront schwer verletzt. Nach langem Lazarettaufenthalt musste er Ende 1915 aus dem Kriegsdienst entlassen werden. Als der Krieg im November 1918 mit der Kapitulation Deutschlands endete, fand er eine Anstellung als Ingenieur bei der Bremer Firma Carl Francke, die unter anderem Textilmaschinen herstellte. Borgward bewährte sich und wurde bald Oberingenieur.
Im Jahr 1919 suchte der Kaufmann Ernst Baerold für sein kleines Bremer Unternehmen, die „Bremer Reifendienst GmbH“, einen Teilhaber und fand ihn in Carl F. W. Borgward. Bald wurde die Produktpalette des Unternehmens umgestellt und man konzentrierte sich auf die Herstellung von Autokühlern und Kotflügeln. Der renommierte Bremer Automobilhersteller Hansa-Lloyd war dabei der wichtigste Auftraggeber.
Im Jahr 1921 gab Baerold seine Unternehmensanteile auf und Borgward wurde im Alter von 30 Jahren Alleinbesitzer des nun als „Bremer Kühlerfabrik Borgward und Co.“ firmierenden Unternehmens. Zu diesem Zeitpunkt waren dort 60 Mitarbeiter beschäftigt.
Borgward wollte schon seit Langem einen Personenwagen produzieren, musste aber einsehen, dass weder die Räumlichkeiten noch die Finanzmittel dafür ausreichten. Um seinem Ziel dennoch näher zu kommen und gleichzeitig die Transportprobleme auf dem eigenen Firmengelände zu lösen, entwickelte er 1924 gemeinsam mit seinem Obermeister und Konstrukteur Dietrich Klie ein kleines Dreirad-Transportfahrzeug, das ein 2,2-PS-Einzylinder-Zweitaktmotor von DKW antrieb, der sich vor dem linken Hinterrad befand. Der Fahrer saß hinter der Hinterachse auf einem Sattel und steuerte das Vorderrad mithilfe eines Motorradlenkers über Seilzüge. Ein Getriebe oder einen Anlasser gab es nicht, das Fahrzeug musste angeschoben werden, um den Motor zu starten. Borgward taufte das Fahrzeug „Blitz“ Motorkarren. Später setzte sich die Bezeichnung Blitzkarren durch. Borgward bot das Fahrzeug auch anderen Gewerbebetrieben zum Kauf an. Mit seiner Nutzlast von einer Vierteltonne und einem Preis von nur 980 Mark stieß er prompt in eine Marktlücke. Noch im gleichen Jahr wurden über 100 dieser steuer- und führerscheinfreien Lastenmotorräder verkauft.


Im Jahr 1925 erkannte Wilhelm Tecklenborg, Sohn eines bekannten Reeders und Werftbesitzers, das Potential, das in der Kleintransprter-Produktion steckte, stieg als Teilhaber bei Borgward ein und übernahm die kaufmännische Leitung. Carl F. W. Borgward selbst konnte sich nun voll auf die Fahrzeug-Konstruktion konzentrieren.
Beim Nachfolgemodell des Blitzkarrens von 1926 wurde die Nutzlast verdoppelt und ein 6,5-PS-ILO-Motor diente als Antrieb. Schon bald hatte Borgward 500 Blitzkarren verkauft und vergab Lizenzen für den Bau des Fahrzeugs an drei weitere Unternehmen im Bremer Raum. Tatsächlich stieg die Gesamtverkaufszahl des Blitzkarrens im Jahr 1927 auf 10.000 Fahrzeuge. Sie wurden teilweise unter der Bezeichnung „Goliath” und auf Wunsch auch mit Anlasser angeboten.

Der Erfolg des Blitzkarrens führte 1926 zur Weiterentwicklung in Form eines ebenfalls dreirädrigen Fahrzeugs, das zunächst unter der Bezeichnung „Goliath Kleinlieferwagen” angeboten wurde. Es gab die Versionen „Offener Wagen“, „Haubenwagen“ und „Geschlossener Wagen“. Bei allen drei Varianten saß der Fahrer hinter der Ladefläche im Freien und lenkte das Fahrzeug mittels eines senkrecht stehenden Steuerrads. Die empfindlichen Seilzüge wurden durch Gestänge ersetzt und die Antriebskraft mittels Rollenketten übertragen. Zur Ausstattung gehörten Anlasser, Kupplung, Dreiradbremse sowie optional zwei Scheinwerfer und eine elektrische Hupe. Es gab auch Zweisitzer, bei denen ein Beifahrer hinter dem Fahrer auf einem zweiten Sattel Platz nehmen konnte.



1927 kam das erste vierrädrige Fahrzeug auf den Markt und nannte sich zunächst „Vierrad-Hinterlader". 1929 wurde der kleine Frontlenker mit einer Nutzlast von 0,65 Tonnen „Goliath Express“ getauft. Unter dem Slogan „Der vollkommene Kleinlastwagen“ war das Chassis für 2250 Mark erhältlich, je nach Aufbau (grundiert) stieg der Preis auf bis zu 2500 Mark. Ein Kastenwagen inklusive Lackierung kostete 2590 Mark. Das Fahrerhaus mit Windschutzscheibe und Klappverdeck bot zwei Personen Platz und befand sich vor der Ladefläche. Der Einstieg erfolgte durch eine Tür an der Front des Fahrzeugs, dessen luftgekühlter Motor 14 PS leistete. Zur Ausstattung gehörten Kardanantrieb, Kegelraddifferential, Vierradbremse und Tachometer. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 45 Stundenkilometer.

Im Jahr 1929 wurden die Lastenmotorräder, die zuvor als Kleinlieferwagen bezeichnet wurden, umbenannt. Für 1.850 Mark gab es nun das Modell „Standard“, das durch einen 7,5-PS-Einzylindermotor mit „Turbo-Kühlung“ angetrieben wurde. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 40 Stundenkilometer. Das Fahrzeug verfügte über drei Gänge plus Rückwärtsgang, Kardanantrieb und Hinterradfederung. Die Nutzlast lag bei einer halben Tonne. Der Goliath Standard wurde zum Symbol für die neue Mobilität von Handwerk und Kleinhandel. Gemäß einem Gesetz aus dem Jahr 1928 durften Kraftfahrzeuge mit weniger als vier Rädern und einem Hubraum von unter 200 Kubikzentimetern ohne Führerschein gefahren werden. Zudem waren sie steuerfrei. Auch deshalb blieb ein entsprechendes Modell namens „Rapid“ im Angebot. Die Version mit offener Pritsche kostete 1150 Mark, der Kastenwagen 1225 Mark. Eine Beleuchtung war optional erhältlich, die Nutzlast betrug eine Vierteltonne und der Antrieb erfolgte durch einen 3,5-PS-Motor, der eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Stundenkilometern ermöglichte.

Die steigenden Verkaufszahlen führten bald zu einer beträchtlich vermehrten Belegschaft von rund 300 Mitarbeitern. Der Betrieb gehörte zu gleichen Teilen Carl Borgward und Wilhelm Tecklenborg und firmierte bis 1937 unter dem Namen „Goliath Werke GmbH Borgward & Tecklenborg“. Die kleinen Lieferfahrzeuge des Bremer Herstellers waren damals konkurrenzlos günstig im Betrieb, sodass schon bald jedes vierte Nutzfahrzeug in Deutschland ein Goliath war. Im Jahr 1928 gelang der Erwerb einer weiteren Produktionsstätte in Bremen. Es handelte sich um das ehemalige Karosseriewerk der Louis Gaertner AG in der Föhrenstraße, Ecke Osterdeich. Das Grundstück befand sich direkt gegenüber dem Verwaltungsgebäude des etablierten Fahrzeugherstellers Hansa-Lloyd, der bis 1927 seine Karosserien von dort bezogen hatte.

Im Jahr 1929 hatte Borgward bereits Auslandsvertretungen in Argentinien, Dänemark, England, den Niederlanden, Österreich, dem Saargebiet, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Ungarn.
Die Wirtschaftskrise von 1929 traf Borgward als Hersteller preisgünstiger Fahrzeuge nur geringfügig, aber den Fahrzeughersteller Hansa-Lloyd jedoch mit voller Härte. So konnte Borgward die Aktienmehrheit von Hansa-Lloyd zu einem niedrigen Preis übernehmen und 1931 sogar die gesamte Firma, die er in der Folge massiv umstrukturierte. Er stellte die Produktion der Hansa-Oberklasse-Pkw ein, da diese maßgeblich zum finanziellen Niedergang des Unternehmens beigetragen hatten. Zudem reduzierte er die Belegschaft von 2000 auf 750 Mitarbeiter. Der bekannte Markenname Hansa-Lloyd blieb bei den erfolgreich weiterproduzierten Nutzfahrzeug-Modellen erhalten. Auch die Herstellung der Hansa-Lloyd-Elektro-Lkw lief weiter. Der Firmenname änderte sich zu „Hansa-Lloyd und Goliath Werke, Borgward & Tecklenborg oHG“.