Die Retro Classics in Stuttgart 2026

Nutzfahrzeuge auf einer der weltweit größten Messen für klassische Automobile

Kurz bevor der Frühling beginnt, findet in Stuttgart seit 25 Jahren jedes Jahr die Retro Classics statt. An den vier Messetagen Ende Februar 2026 kamen rund 83.000 Besucher, um etwa 2.800 Oldtimer zu bestaunen, wobei die Zahlen der Besucher und Exponate von Jahr zu Jahr steigen. Für uns waren die Nutzfahrzeuge interessant, denen erstmalig eine eigene große Halle vorbehalten war. Unser freier Mitarbeiter Holger Hahn hat sich dort umgesehen, einen Bericht verfasst und einige der Fahrzeuge fotografiert, noch bevor das Publikum Zutritt hatte.

Wie in jedem Jahr war der Besuch der Retro Classics Ende Februar 2026 in Stuttgart ein Fixtermin für alle Liebhaber der klassischen Mobilität. Auch die 25. Ausgabe der beliebten Messe für Fahrkultur bot mit hochkarätigen automobilen Klassikern, historischen Lastwagen und Omnibussen zum hautnahen Erleben sowie vielen einzigartigen Sonderschauen ein besonderes Erlebnis.

Gemeinsam mit dem Automobilpark Auwärter haben die Nutzfahrzeug Veteranen Gemeinschaft e.V. (NVG) sowie die Interessengemeinschaft Süddeutsche LKW-Veteranen-Freunde erneut den Nutzfahrzeugbereich ausgerichtet. Dieses Mal konnten sie sich sogar in fast einer ganzen Halle mit ihren Fahrzeugen präsentieren. Die Halle 10 stand ganz im Zeichen der Nutzfahrzeuge. Typisch für diese Szene ist bekanntlich die große Vielfalt.

Die Kramer-Allrad-Zugmaschine U 800 wurde 1959 auf den Markt gebracht. Von den knapp 400 gebauten Exemplaren dürften nur wenige erhalten sein, denn bereits 1965 wurde die Produktion eingestellt. Auch das Nachfolgemodell, ein Frontlenker, konnte sich gegen die mächtige Konkurrenz durch den Unimog nicht lange behaupten.

Mercedes-Benz hatte einige Jubiläen zu feiern: 30 Jahre Actros, 80 Jahre Unimog und 75 Jahre Setra. Im Mittelpunkt stand jedoch der Jahrestag „130 Jahre Lkw“, denn 1896 war der erste Lkw bei Daimler entstanden. Dieses Ereignis wurde auf der Retro Classics 2026 mit einem der ältesten noch erhaltenen Lastwagen der Welt gefeiert: einem 12-PS-Kardanwagen. Der Original-Lkw aus dem Jahr 1899 hat einen lückenlosen Lebenslauf und alle Vorbesitzer sind dokumentiert. Die Aufarbeitung des gut erhaltenen Fünftonners ist noch nicht abgeschlossen, vor allem die Restaurierung des Vierzylinder-Benzinmotors samt der kastenförmigen Haube fehlt noch.

Mehr als 125 Jahre alt: Teil eines Origialdokuments von 1899, das den Daimler-Kardanwagen mit seiner kantigen Motorhaube zeigt.
Noch ohne Motor samt Haube: Daimler-Kardanwagen von 1899. Er wurde zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.
Der Mercedes LP 322 mit Staufen-Kastenaufbau der 1921 gegründeten Spedition Auracher aus Stuttgart ist seit seiner Neuanschaffung im Jahr 1959 im Besitz der Familie Auracher und war Ende der 1990er Jahre noch täglich als Möbeltransporter im Einsatz.
Der Mercedes L 1500 wurde von 1937 bis 1941 produziert. Das auf dem Foto abgebildete Exemplar war mit einer Holzgas-Anlage ausgerüstet, da flüssige Kraftstoffe für die Privatwirtschaft Ende der 1930er Jahre kaum noch erhältlich waren.

Ein weiteres besonderes Highlight auf der Retro Classics 2026 war ein Werbefahrzeug, das der Autodesigner Philippe Charbonneaux 1953 im Auftrag von Pathé-Marconi, einer wichtigen französischen Musikmarke, auf Basis eines Panhard-Fahrgestells entworfen hatte. Pathé-Marconi war von 1936 bis in die 1990er Jahre ein führender Hersteller von Schallplatten, Radios, Fernsehgeräten und Musikaufnahmen und ist bis heute für das berühmte Logo „His Master's Voice” bekannt. Der spektakuläre Sattelzug war Teil der Werbe-Karawane für die Tour de France. Sogar Edith Piaf soll einige Live-Auftritte auf dem Dach des Fahrzeugs gehabt haben.

Hier ist noch einmal das Titelbild dieses Artikels zu sehen, das den außergewöhnlichen Werbe-Sattelzug der französischen Schallplattenfirma Pathé-Marconi zeigt. Das wertvolle und einzigartige mobile Zeitdokument durfte nur unter Vorbehalt nach Deutschland gebracht werden, da große Sorge bestand, es könnte Schaden nehmen.
Die Typenbezeichnung dieses formschönen Mercedes-Reisebusses von 1948 mit Auwärter-Karosserie ist mit OP 3750 angegeben. O steht für Omnibus, P für Pullmann, also Frontlenker.
Der Mercedes L 1620 wurde von 1963 bis 1967 produziert. Damals war er ein alltäglicher Anblick, doch nur wenige Lastwagen der kubischen Generation haben überlebt.
Der Schub-Gelenk-Omnibus O 305 G wurde von 1977 bis 1985 gebaut. Das auf der Retro Classics gezeigte Exemplar gehörte einst zur Omnibusflotte der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB).
Heute ein seltener Vogel: der Phänomen Granit 25 aus dem Jahr 1932, hergestellt von der Gustav Hiller AG in Zittau. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden im Werk Zittau der Phänomen Garant und später der Robur.
Der Henschel HS 100 wurde bereits in den 1950er Jahren nur selten als Möbelwagen mit integriertem Kastenaufbau karossiert. Umso erfreulicher ist es, dass ein Exemplar dieses Fahrzeugtyps bis heute erhalten ist.
Der Mercedes L 608 aus dem Jahr 1965 war vermutlich der meistverkaufte Nahverkehrs-Lkw seiner Zeit und aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. Inzwischen sind mehr als 60 Jahre vergangen, sodass der alte Allround-Laster längst ein Oldtimer ist.

Das Angebot der Retro Classics umfasst tausende hochwertige Oldtimer, Youngtimer und Liebhaberfahrzeuge, seltene Vorkriegsmodelle, historische Nutzfahrzeuge sowie Ersatzteile, Accessoires und Zubehör und verschiedene Dienstleistungen rund um Restauration und Handwerk. Ein vielfältiges Rahmenprogramm mit ausgewählten Exponaten und Raritäten, Informationsforen, einer Fahrzeugverkaufsbörse, interessanten Sonderschauen, zahlreichen Clubpräsentationen und Shows bilden die einzigartige Mischung, die die Stuttgarter Oldtimer-Messe so attraktiv macht. Der direkte, persönliche Kontakt auf einer klassischen Präsenzmesse ist eben durch nichts zu ersetzen - eine einzigartige Chance für das Publikum, mit der Szene der Nutzfahrzeug-Veteranenfreunde ins persönliche Gespräch ins zu kommen. Denn gerade die Nutzfahrzeuge sind ja bekanntlich das „Salz in der Suppe“, denn ohne sie geht es nicht.

Abschließend kann mit Fug und Recht behauptet werden: die Szene lebt!

Text und Fotos: Holger Hahn

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