Die Ackermann-Story, Teil 4

Neue Pläne, Fusionen und ein abruptes Ende

Der vierte Teil unserer Ackermann-Chronik befasst sich mit dem letzten Vierteljahrhundert der Firma Ackermann aus Wuppertal. Mit dem spektakulären GLZ kam 1979 ein innovatives Konzept zur Vergrößerung des Laderaums auf den Markt, doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Inzwischen gehörte Ackermann zur amerikanischen Frühauf-Gruppe und baute Anhänger und Aufbauten aller Art, bis 1996 das unerwartete Ende kam. Unser freier Mitarbeiter Markus Hügle aus Teningen hat gründlich recherchiert und ausführlich beschrieben, was Ackermann in den fast 150 Jahren seines Bestehens zu bieten hatte. Teil 1 befasst sich mit den Anfängen bis in die Nachkriegszeit, die Teile 2 und 3 beschreiben die Zeit bis zu den 1970er Jahren.

Um 1970 hatte Ackermann-Chef Carl Wilhelm Kölker die Idee, die drei Wuppertaler Karosseriebauer zu den „Vereinigten Wuppertaler Fahrzeugwerken“ zusammenzuschließen. Jede der drei Firmen Ackermann, Blumhardt und Eylert sollte sich auf Teilbereiche beschränken und ihre Werke entsprechend modernisieren und spezialisieren. Der Konkurrenzdruck untereinander würde die Chancen der einzelnen Unternehmen nur verringern und durch Spezialisierung und Rationalisierung könnten kostengünstigere Produkte angeboten werden. Die Gespräche zwischen den Unternehmensleitungen waren weit fortgeschritten, doch kurz vor der ersten gemeinsamen Präsentation 1971 trafen die Blumhardt-Eigentümer eigenmächtig weitreichende Entscheidungen, die Kölker veranlassten, die geplante Fusion abzusagen und für Ackermann neue Pläne zu schmieden. Um notwendige Investitionen tätigen zu können, sah er sich veranlasst, für sein erfolgreiches und wirtschaftlich gesundes Unternehmen einen starken Partner außerhalb Deutschlands zu suchen. Er fand ihn schließlich in der amerikanischen Fruehauf-Gruppe, die gerade dabei war, ihr Europageschäft auszubauen.

In der Folgezeit verkaufte Kölker sein Unternehmen. Nur das kleine Zweigwerk in der Schweiz verblieb im Ackermann-Besitz. Ab 1972 firmierte das Wuppertaler Traditionsunternehmen unter dem Namen Ackermann-Fruehauf. Den eingeführten Markennamen „Ackermann“ behielt man also bei und ein neues Logo aus den Buchstaben A und F entstand. Die verschiedenen Produktionsbereiche wurden nun auf die einzelnen Standorte verteilt. Auch das ehemalige Vidal-Werk in Hamburg-Harburg, das Fruehauf 1970 übernommen hatte, gehörte dazu. Zuvor hatte die deutsche Fruehauf GmbH bereits im bayerischen Schierling Sattelauflieger produziert. Damals bestand ein enormer Bedarf an dreiachsigen Aufliegern, da seit 1965 in Deutschland der 38-Tonnen-Sattelzug zugelassen war und die alten Zweiachs-Auflieger nach und nach ersetzt werden mussten.

Die Ölkrise von 1973 führte jedoch zu einem Einbruch der Nachfrage nach neuen Nutzfahrzeugen. Zwar erholte sich das Geschäft wieder, aber der europäische Nutzfahrzeugmarkt befand sich zu dieser Zeit in einem tiefgreifenden Umbruch. Traditionsmarken wie Büssing oder Henschel wurden übernommen und Magirus ging in einem europäischen Verbund (IVECO) auf. Indirekt wirkten sich diese Vorgänge auch auf die Anbieter von Aufbauten, Anhängern und Sattelaufliegern aus. Auch sie standen unter enormem Kostendruck, da die meisten Spediteure preiswerte und wartungsfreundliche Standardfahrzeuge wünschten. Individuelle Einzel- oder Kleinserienfertigungen, mit denen man jahrzehntelang gutes Geld verdient hatte, waren nicht mehr gefragt. So stellte Eylert bereits 1973 den Betrieb ein.

Der Ackermann Großraumlastzug wurde 1979 unter der Bezeichnung GLZ auf der IAA in Frankfurt am Main vorgestellt. Zu den ersten Kunden gehörte die ungarische Spedition Hungarocamion Pte. Co., die mehrere Einheiten für den internationalen Verkehr bestellt haben soll. Hungarocamion gehört heute zu Waberer’s International Nyrt.

1979 stellte Ackermann-Fruehauf der staunenden Fachwelt den in Wuppertal entwickelten Großraum-Lastzug (GLZ) vor. Gegenüber dem üblichen 18-Meter-Lastzug bot der GLZ zehn Prozent mehr Ladevolumen und sparte durch ein geringeres Aufbaugewicht zehn Prozent Kraftstoff. Möglich wurde dies durch eine deutliche Verringerung des Abstands zwischen Zugmaschine und Anhänger von 1,6 Meter auf nur noch 70 Zentimeter und den Verzicht auf die Liegefläche hinter den Sitzen. Dafür erhielt das kurze Fahrerhaus des Mercedes-Benz NG eine hohe Schlafkabine und seitliche Windabweiser. Das nahezu futuristische Design entstand unter Mitwirkung des bekannten deutschen Designers Luigi Colani. Die Fahrzeuge trugen anfangs einen überdimensionalen Mercedes-Stern an der Front und der Topsleeper erhielt markante Positionsleuchten an den oberen Ecken.

Der GLZ war bei Ackermann auch mit Pritsche und Plane erhältlich, konnte sich aber auch in dieser Variante nicht durchsetzen. Das ausgeklügelte Kurzkuppel-System war zu anfällig und der Betrieb mit den überlangen Anhängern, die sich nicht mit anderen Motorwagen kombinieren ließen, zu wenig variabel.

Den GLZ gab es als Pritsche/Plane- und als Kofferzug, optional mit tiefgezogenen Seitenwänden am Aufbau. Für den kurzen Abstand zwischen Motorwagen und Anhänger sorgte eine Teleskopgabel. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von mehr als 35 km/h zog die Teleskopgabel die vordere, selbstspurende Nachlaufachse des Anhängers an den Motorwagen heran. Gleichzeitig klappten am Aufbauende des Motorwagens Windleitbleche aus, um den aerodynamisch ungünstigen Spalt zu schließen. Obwohl die innovative und technisch sehr aufwendige Konstruktion bei ihrer Vorstellung große Beachtung fand, war dem GLZ kein wirtschaftlicher Erfolg beschieden, nur wenige Exemplare fanden Käufer. Hauptnachteile waren das schwierige Rangieren mit dem GLZ auf engen Betriebshöfen sowie die Verschleiß- und Störanfälligkeit des Kurzkupplungssystems. Außerdem war der GLZ wenig flexibel, da Motorwagen und Anhänger eine Einheit bildeten und nicht mit anderen Fahrzeugen kombinierbar waren. Der GLZ konnte daher am besten auf immer gleichen Strecken mit Komplettladungen eingesetzt werden.

Die Berliner Firma Grohmann Logistik GmbH ist seit mehr als 100 Jahren als Umzugsspezialist aktiv. Im Juni 1980 präsentierte das Unternehmen einen nagelneuen GLZ, der offenbar gerade angeschafft worden war, auf dem Westberliner Boulevard Kurfürstendamm. Zeugnisse hierfür sind das provisorische Kennzeichen und die noch fehlende Telefonnummer an der Fahrerhaustür. Unter dem rechten Scheibenwischer klemmt ein rosa Zettel – vermutlich ein Falschparker-Ticket. Am Anfang dieses Artikels ist derselbe Lastzug ein Jahr später zu sehen – mit Berliner Kennzeichen, Telefonnummer und ohne Ticket.
Ackermann-Fruehauf bot weiterhin moderne Kofferwagen an, hier auf einem Lkw-Fahrgestell des Ford Transcontinental '75, den es von 1975 bis 1978 gab.
Ein weiteres Beispiel für einen Ackermann-Fruehauf-Kofferwagen ist dieser DAF 1600, den der niederländische Hersteller ab 1970 anbot.
Mitte der 1970er Jahre war man bei Ackermann-Fruehauf besonders stolz auf den Mehrzweckaufbau vom Typ MZA, der von drei Seiten aus beladen werden konnte. „Für bequemen und schnellen Palettenverkehr mit 2,420 Millimetern lichter Breite die Ideallösung!”, so die Werbung, die auch die glatten Wände für werbewirksame Beschriftungen anpries.
Pritschen-Sattelanhänger mit Taschen für Greiferzangen zur Bahnverladung, Container-Chassis für den Export auf dem Gelände des ehemaligen Hamburger Vidal-Werks sowie Kippsattel-Auflieger und dreiachsige Drehschemel-Anhänger gehörten in den 1970er Jahren zum vielfältigen Portfolio von Ackermann-Fruehauf.
Der Ford N ’79 wurde in Deutschland von 1978 bis 1981 angeboten und blieb ein seltener Anblick. Ackermann-Fruehauf bot jedoch auch für ihn einen passenden Kofferwagen-Aufbau an.
Vor der Kulisse des heruntergekommenen Anhalter Güterbahnhofs im damaligen West-Berlin entstand im September 1983 diese Aufnahme eines offenbar nagelneuen Scania 82 mit R-Fahrerhaus und Planen-Auflieger von Ackermann-Fruehauf.
Im Jahr 1975 kam der Mercedes 1617 der neuen Generation heraus. Den Koffer-Aufbau dieses Exemplars hatte ackermann-Fruehauf angefertigt.
Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) der Bundesrepublik Deutschland beauftragte Ackermann-Fruehauf im Jahr 1982 mit dem Bau eines Versuchsfahrzeugs namens „GLZ Neu”. Leider ist das Projekt nicht umfassend dokumentiert. Es heißt lediglich, dass auf der Messe „Transport ’82“ in München auf dem Ackermann-Fruehauf-Stand ein „Kombi-Lastzug“ als „interessanter Fortschritt im Trailertransport“ gezeigt wurde und dass es um ein neuartiges Konzept für das Container- bzw. Wechselbehälter-Handling ging. Das fahrdynamische und betriebliche Verhalten von gekuppelten Container-Anhängern im Straßenabschnitt intermodaler Ketten sollte erprobt werden. Belastbare Primärquellen dazu liegen momentan aber nicht vor.

Anfang der 1980er Jahre erkannte man bei Ackermann-Fruehauf, dass die beengten Werksanlagen in Wuppertal-Vohwinkel kaum noch Erweiterungsmöglichkeiten boten und entschied, in einem neu erschlossenen Gewerbegebiet in Kerpen-Sindorf ein hochmodernes Werk zu errichten, das 1987 schließlich bezogen wurde. Die gesamte Produktion wurde dorthin verlagert, viele Mitarbeiter aus dem Stammwerk Wuppertal folgten. Die anderen Werke gab man auf, nur in Wolfhagen entstanden weiterhin Teile für die Kofferbausätze der Lizenznehmer sowie Wechselbrückenrahmen für Lkw und Anhängerfahrgestelle. Zur Fruehauf-Gruppe gehörten auch Werke in anderen europäischen Ländern, die ebenfalls Sattelauflieger und Anhänger bauten, da Fruehauf zuvor verschiedene Aufbauhersteller übernommen hatte. Im Jahr 1987 wurden alle Unternehmen zu einer weitgehend eigenständig agierenden europäischen Ackermann-Fruehauf-Gruppe mit Sitz in Paris zusammengefasst. Die Produktion erfolgte in französischen, britischen, niederländischen und deutschen Werken. Damit begann der schrittweise Rückzug des amerikanischen Konzerns. Kurz zuvor, 1984, hatte Ackermann-Fruehauf den ehemaligen direkten Konkurrenten Staufen Fahrzeugwerke Eislingen übernommen, nachdem er in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Das Werk im Filstal wurde jedoch schon nach wenigen Jahren an einen dänischen Konzern weiterverkauft.

Aufkleber-Motiv aus den frühen 1990er Jahren. Der Größenunterschied zwischen den beiden Zeilen lässt vermuten, dass die Bezeichnung „Ackermann” allmählich zugunsten von „Fruehauf” fallen gelassen werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

Vom Boom nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 profitierten auch die westdeutschen Nutzfahrzeughersteller. In Oschersleben bei Magdeburg übernahm Ackermann-Fruehauf einen Fahrzeugbaubetrieb, in dem fortan unter günstigen Bedingungen auch Lkw-Aufbauten gefertigt wurden. Doch 1992/93 folgte eine schwere Rezession, das Transportgewerbe hielt sich mit Neuanschaffungen zurück. Auch in den USA stagnierte die Wirtschaft. Fruehauf beschloss daher, sich wieder auf den Heimatmarkt zu konzentrieren und die europäische Ackermann-Fruehauf-Gruppe an ein Finanzkonsortium zu verkaufen. Die groß dimensionierten Fabrikanlagen in Kerpen-Sindorf waren bei weitem nicht ausgelastet, es gelang der Geschäftsführung nicht, Aufträge in größerem Umfang an Land zu ziehen. So kam es, dass 1996 die Firma Ackermann in ihrer bisherigen Form aufhörte zu existieren. Nach nicht einmal zehn Jahren standen die neuen Produktionshallen leer und wurden schließlich von anderen Firmen übernommen.

Dieser Rückzug war jedoch nicht das endgültige Aus für den Namen Ackermann im Fahrzeugbau, denn bereits im Herbst 1996 gründeten die Geschäftsführer der Werke Oschersleben und Wolfhagen mit Unterstützung der GESCO SE die Ackermann Fahrzeugbau GmbH". Im Jahr 2012 übernahm die Firma AluTeam, ein Spezialist für Fahrzeugtechnik und Kofferbausätze, das Werk in Wolfhagen. Bei der Ackermann Fahrzeugbau Oschersleben GmbH" werden aber auch heute noch Kofferaufbauten und Pritschenanhänger für verschiedene Transportzwecke gebaut. Auch das seit 1962 bestehende Werk in der Schweiz, das heute unter dem Namen „Ackermann Fahrzeugbau AG“ firmiert, baut weiterhin Fahrzeuge für den Möbel- und Lebensmitteltransport sowie Wechselbrücken.

1996 stellten auch die Fahrzeugwerke Blumhardt in Wuppertal ihre Produktion ein. Ihre stark exportabhängige Produktion erwies sich nach den weltpolitischen Veränderungen der 1980er Jahre letztlich als gravierender Nachteil. Damit endete der einst blühende Nutzfahrzeugbau in Wuppertal.

Dieser Text wurde im April 2023 für truckinfocus.com verfasst.
Der Autor ist Markus Hügle aus Teningen, Deutschland

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Quellen:

Bernd Regenberg: „Jahrbuch Lastwagen 1998“ (Podszun-Verlag 1997) ISBN: 3-86133-179-9

Bernd Regenberg: „Jahrbuch Lastwagen 2016“ (Podszun-Verlag 2015) ISBN: 978-3-86133-779-9

Bernd Regenberg: „Jahrbuch Lastwagen 2023“ (Podszun-Verlag 2022) ISBN: 978-3-7516-1054-4

Wolfgang H. Gebhardt: „Deutsche Lkw-Anhänger“ (Motorbuch-Verlag 2019) ISBN: 978-3-613-04147-9

Ackermann- und Ackermann-Fruehauf-Prospekte aus dem Archiv der Edition Diesel Queen

Pressemitteilung der GESCO AG vom 27.04.2012 (presseportal.de)

Wikipedia-Eintrag zu Ackermann-Fahrzeugbau

Wikipedia-Eintrag zur Stadt Wuppertal

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